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Vortrag zur Buga-Diskussion,  (Stand 06.02.2022)

0.) Einführung

1.) Haupttraum: Verbesserung von Image und Bekanntheit Wuppertals

2.) Traum der Verbesserungen der Stadtstruktur

3.) Finanzierung

4.) Der Grüne Zoo als Areal II

5.) Stimmung in der Öffentlichkeit

6.) Misslingender Bewerbungsprozess

7.) Blick in die Zukunft

8.) Ausführliche Informationen über Kritik

 

 

 

0. Einführung

Drei Punkte scheinen mir wesentlich zu sein:

0.1.) Die an der Realität scheiternden Träume von der Buga

Als grundsätzliches Hauptziel der BUGA gilt für die Wuppertaler Stadtspitze: Bekanntheit steigern, Beliebtheit und Attraktivität Wuppertals erhöhen, um Besucher und Investoren anzulocken.

Aber in der Realität wird es viel Verärgerung bei vielen Besuchern wegen der schlechten Verkehrsinfrastruktur geben. Das Ergebnis: Verärgerung über Wuppertal statt Vorfreude aufs Wiederkommen.

Der Ärger beginnt für viele morgens bei der Anfahrt, weil lange Staus der Busse und Shuttlebusse durch Vohwinkel und am Zoo nerven. Trotz irgendwelcher offiziell empfohlener Parkplätze außerhalb mit Shuttlebusverkehr werden viele Autofahrer durch Vohwinkel und Sonnborn kurven, um einen näheren Parkplatz zu finden.

Mittags trifft der Ärger sowohl Autofahrer, Bustouristen als auch diejenigen, die mit dem Zug angereist sind. Denn mittags müssen 10 000 bis 40 000 Besucher die Areale der Bundesgartenschau wechseln und werden dazu vor allem die Touristenattraktion Schwebebahn nutzen wollen. Doch die wird sehr häufig überfüllt sein. Die Schwebebahn kann alle drei Minuten 130 Fahrgäste pro Richtung transportieren. Das sind 2600 pro Stunde, in drei Stunden also 7800 Besucher. An starken Besuchstagen müssten aber 20 000 Gäste transportiert werden. Hier wird es unplanbar auch völlig überlastete Spitzenzeiten geben, da nie alle Besucher sich gleichmäßig auf alle Fahrzeiten verteilen. Sehr lange Warteschlangen auf der Kaiserstraße vor der Schwebebahnhaltestelle sind leicht vorhersehbar. Und wenn dann gleichzeitig mittags hunderte Schüler von Gymnasium, Gesamtschule und Realschule die Schwebebahn stürmen wollen und sich vermutlich kaum hinten an die lange Warteschlange anstellen, dann wird der Ärger der älteren Besucher riesengroß werden.

Dann kommt noch hinzu, dass sie zwischen Haupteingang und Haltestelle Bruch einen sehr umständlichen Weg zurücklegen mussten. Hoch auf die neu zu bauende Brücke über die Bahngleise, auf der anderen Seite wieder herunter und dann umgerechnet weitere ca. 10 Hochhausetagen bis hinunter zum Bruch müssen die vorwiegend älteren Besucher zu Fuß überwinden. In der anderen Richtung vom Zoo zum Haupteingang müssen sie stark hinaufsteigen. Eigentlich alles unzumutbar, zu mindestens aber ein Ärgernis für viele Besucher, die meistens nicht der sportlichen jüngeren Altersgruppe angehören.

Abends wird es dann sehr schwierig: Wie sollen die Besucher ihren Bus wiederfinden, der ja nirgendwo stehen bleiben kann, wo die Besucher aussteigen. Da die meisten Besucher mittags das Areal gewechselt haben, müssten sie einen Zeitpunkt und Plan bekommen, wo und wann sie ihren Bus in dem ihnen unbekannten Stadtteil wiederfinden können. Stress und Chaos für Gäste, Busfahrer und Reiseleiter. Erfurt hatte die Parkplätze direkt gegenüber dem Haupteingang und die Busse blieben dort während des ganzen Tages stehen. Stressfrei und komfortabel.

Den ersten Punkt zusammenfassend: Wuppertal hat keine Messeinfrastruktur und wird sie auch nicht aufbauen können, die eine solche Großveranstaltung konfliktfrei bewältigen kann.

 

 

0.2. Was bekommt Wuppertal als Gegenleistung für mindestens 70,9 Mio. € an festem Wuppertaler Eigenbeitrag?

In den ca. 150 Mio. Gesamtkosten sind noch einmal 35 Mio.€ Landeszuschuss enthalten, die im Grunde ebenfalls auf Wuppertaler Steuern beruhen. Das sind 106 Mio. € Wuppertaler Gelder, die für den inneren Bereich der Buga ausgegeben werden müssen.

Als Gegenwert gibt es vielleicht eine 15 Mio. teure Hängeseilbrücke, wenn sie denn als reine touristische Spaßbrücke über einer ICE-Strecke und Wohnungen überhaupt genehmigungsfähig ist. Das wird sich aber juristisch endgültig erst kurz vor der Buga 2031 herausstellen.

Als weiteren Gegenwert gibt es einen neuen kleinen Park im Tescher Stich oder Tescher Loch: In der hässlichsten Ecke Vohwinkels unten zwischen hohen Bahndämmen, Hochhäusern und einer Großspedition. Das braucht wirklich niemand.

Dazu wird es als neue Attraktion die Zoo-Seilbahn geben. Allerdings ist diese sinnvolle Investition nicht in den Buga-Investitionen mit einkalkuliert. Diese Seilbahn wird vorerst auf andere Weise durch eine Seilbahnfirma finanziert und könnte so auch ohne Buga gebaut werden.

Und Wuppertal bekommt ein halbjähriges Fest mit ca. zwei Mio. Besuchern. Da die Buga anders als in Erfurt weit abseits von der Innenstadt Elberfeld ihre Hauptareale hat, werden von den Besuchern die allerwenigsten in Elberfeld shoppen gehen. Als 1997 die Buga in Gelsenkirchen war, hatte sich wahrscheinlich kein einziger Wuppertaler vorgenommen, im Anschluss an die Buga in Gelsenkirchen shoppen zu gehen. Warum sollten das die Kölner, Düsseldorfer oder Essener Besucher anders sehen?

Sollte es im Laufe der Planungen neue Ideen für gute Investitionen in Wuppertal geben, muss man diese noch zusätzlich anders finanzieren, auch die Gebiete einer Schwammstadt. Koblenz hat auf diese Weise noch einmal ca. 20 Mio. € zusätzlich investiert. Die Kostenberechnungen der Machbarkeitsstudie beziehen sich nur auf das umzäunte Buga-Gelände zusammen mit den Parkauffrischungen durch die Buga plus in der Stadt.

Zählt man alles das zusammen, was Wuppertal bekommt, ist das sehr, sehr, sehr wenig für 70 oder 106 Mio. €.

Dabei wirkt eine Buga nach dem eigenen Selbstverständnis der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft vor allem in einer deutlichen Verbesserung der Stadtstruktur. So hat Heilbronn seinen nicht mehr gebrauchten Hafen zugeschüttet und dort eine neues grünes Stadtviertel gebaut, Erfurt hat die heruntergekommene Zitadelle Petersberg nach jahrzehntelanger Nutzung als Garnison zu einem Freizeitpark umgebaut und Leverkusen hat auf den alten Abfallhalden der Bayer-Werke sich einen attraktiven Park als Zugang zum Rhein geschaffen. Das sind Millionenprojekte mit neu geschaffenen Werten, die der Bevölkerung wirklich jahre- oder jahrzehntelang zugute kommen. Die eigentliche Gartenschau ist nur das Fest zum Abschluss dieser Strukturveränderungen.

Aber Wuppertal hat für diese Buga keine Brachen, die von den Landschaftsarchitekten der Buga-Gesellschaft mit vielen Ideen neu aufgewertet und genutzt werden können, und so gibt es so gut wie keine bemerkenswerten Verbesserungen für die Stadtstruktur.

Wenn eine Buga die riesigen brachliegenden Kalksteinbrüche im Westen Wuppertals neu gestalten und nutzen würde z.B. mit großen erschlossenen Freiraumflächen für Wohnungsbau, wo jetzt die Halden sind, wäre ich ein Fan einer solchen Buga vielleicht im Jahre 2040. Das ergäbe einen riesigen Gewinn für die Wuppertaler Stadtstruktur und als Buga könnte sie eine Ideenschmiede für tausende verlassene Steinbrüche in Deutschland sein.

Aber so sind 70 oder 106 Mio. € weitgehend herausgeschmissenes Geld ohne angemessene Vorteile für Wuppertal mit dem Risiko vielfältiger Verärgerungen bei den Besuchern: "Wuppertal - nie wieder".

 

0.3.) Fehlende Bürgerbeteiligung v o r dem Grundsatzbeschluss

Ein dritter kritischer Punkt ist die mangelnde Bürgerbeteiligung vor der Beschlussfassung. Eigentlich lebt eine Bundesgartenschau von der Begeisterung der Bürger über diese Chance für ihre Stadt. Aber in Wuppertal hat man, wie immer wieder, einen grundsätzlichen Fehler gemacht: Politisch einen Plan durchziehen zu wollen, ohne rechtzeitig die kritischen Seiten wahrzunehmen.

Welche katastrophalen Folgen das haben kann, hat man vor einigen Jahren in Duisburg gesehen.

Wuppertal und Duisburg sind mittlere Großstädte in NRW. Sie leben immer in dem Gefühl, von den richtigen großen Städten Düsseldorf, Köln oder Essen erdrückt zu werden. So sind sie froh, wenn sie die Gelegenheit bekommen, einmal über diese Großen hinauszuwachsen.

Bei solchen Träumen wird dann die Realität gerne schöngeredet. Duisburg träumte von einzigartigen Chance der Loveparade, die man auf jeden Fall als Nachfolger von Berlin bekommen wollte. Wuppertal malt sich die Bundesgartenschau wunderschön aus. Dass dann leicht die Dimensionen übersehen werden, was eine mittlere Großstadt mit ihren Infrastrukturen schaffen kann und was nicht, kann schwerwiegende Folgen haben. Duisburgs Erfahrungen mit der Love-Parade sollten auch für Wuppertal ein warnendes Beispiel sein, wenn Träume und Infrastruktur nicht zueinander passen.

Bei den Diskussionen in Duisburg, wie man innerhalb von drei Stunden eine halbe oder eine Millionen Menschen durch einen 25 Meter breiten Tunnel auf das Veranstaltungsgelände bringen kann, hat man die Realität beiseite gerechnet und von den Träumen gelebt, dass es schon irgendwie gehen würde. Drei Stunden sind 180 Minuten oder 10800 Sekunden. Damit müssten bei einer Mio. Gästen in jeder Sekunde (!) 100 Menschen plus Gegenverkehr durch die 25 Meter breite Engstelle gehen können. Absolut unmöglich. Eine leicht vorhersehbare Katastrophe. Ein absolutes Stoppsignal für die Love-Parade hätte eigentlich die Folge sein müssen. Aber die Politik wollte auf jeden Fall die Love-Parade, zum Ruhme Duisburgs.

In Wuppertal läuft man in der Mittagszeit an Tagen mit vielen Gästen auf eine völlige Überlastung der Schwebebahn hinzu. Katastrophen auf überfüllten Bahnsteigen nicht ausgeschlossen.

 

Aber es gibt noch einige andere wichtige Probleme, deren Lösung vor der Beschlussfassung zusammen mit den Bürgern hätten diskutiert und geplant werden müssen, weil sie sonst ohne Lösung einen Stopp aller Planungen zur Folge haben müssten.

Ein Problem: Wollen die Vohwinkler und die Zooviertelbewohner während der Buga 2031 ein halbjähriges Verkehrschaos vor ihrer Haustür?

Ein zweites Problem: Sind die Bewohner im Briller Viertel, im Zooviertel und an der Hindenburgstraße damit einverstanden, dass bei ihnen mit der Brücke ein touristischer Hotspot gebaut wird? Und das ohne Parkplätze und Hotspot-Infrastruktur! Das bedeutet für sie nämlich zehn Jahre lang, so lange die Brücke steht, täglich massiver Parksuchverkehr in den Vierteln.

Und ein drittes Problem: Sind die vielen tausend Vereinsmitglieder in ganz Wuppertal, sind die Kinder in der schulischen Betreuung, sind die sozial Schwachen, sind die Mitglieder der freien Kunstszene, sind die vielen, die von den 70 Mio. freien Mitteln des Stadtetats Hilfen zum Leben bekommen, damit einverstanden, dass sie zehn Jahre lang auf zehn Prozent zugunsten der Buga verzichten müssen. Sie finanzieren damit die Buga, obwohl die meisten von ihnen den Buga- Eintritt nicht bezahlen können.

Das wären einige der wichtigen Fragen gewesen, die vor dem Stadtratsbeschluss hätten beantwortet werden müssen. Viele weitere werde ich später noch ansprechen. Jetzt bleibt nur noch der Notausstieg: Das Bürgerbegehren und der Bürgerentscheid.

 

1.) Haupttraum: Verbesserung von Image und Bekanntheit Wuppertals, Einladung für weitere Besuche

Kommen wir noch einmal auf den wichtigsten Grund für die Buga zu sprechen: Das grundsätzliche Hauptziel der BUGA ist die Steigerung der Bekanntheit, Beliebtheit und Attraktivität Wuppertals, um Besucher und Investoren anzulocken.

Die Besucher, die ihre Fahrt zur Buga teuer bezahlt haben, erwarten eine ruhigen, interessanten und schönen Tag.

Doch die Staus morgens bei der Anfahrt, mittags beim Wechsel der Areale und abends beim Suchen und Warten der Busse verderben schnell die schöne Stimmung. Wuppertal bleibt in nicht nur angenehmer Erinnerung.

 

Dabei wird sich Folgendes noch unangenehm auswirken:

- Selbst wenn es verkehrsmäßig an vielen Tagen gut ginge: Die Verärgerung weniger verbreitet sich in den Medien viel intensiver als die Freude vieler.

- Für die Presse wären Bilder von langen Warteschlangen entlang der Kaiserstraße sicher interessanter und würden mehr gedruckt als Bilder von einer Blumenwelle wie in Erfurt.

Und auch der langfristige Imagegewinn wird nicht so hervorragend sein, wie er in den Träumen oft ausfällt:

- Gelsenkirchen hat die Buga 1997 ausgerichtet. Erinnert sich noch jemand daran? Hat das die Attraktivität Gelsenkirchens in Ihren Augen verbessert? Ist Gelsenkirchen in ihren Augen wirklich "Stadt der Bundesgartenschau"? Warum sollte es da Wuppertal anders ergehen?

Und kennen Sie Ronneburg, die Ausrichterstadt der Buga 2007. Sie liegt bei Gera in Thüringen. Wirklich den Bekanntheitsgrad erhöht haben dürfte die Buga nur sehr wenig.

Hier spielen die Pressestrukturen eine Rolle: Zeitungsberichte konzentrieren sich auf eine Information, dass und wo die Buga bald stattfindet. Vielleicht gibt es einige werbende Reiseberichte durch Reisebüros der Presseorgane. Sonst ist aber nur dann etwas berichtenswert, wenn etwas Schlechtes passiert: Z.B. in Erfurt die erzwungene lange Verschiebung der Eröffnung wegen der Corona-Pandemie. Eine Buga als solche ist für die Presse kein schlagzeilenträchtiges Thema.

 

2.) Betrachten wir noch einmal etwas genauer den Traum der Verbesserungen der Stadtstruktur

2.1.) Es ist ein ziemlich unrealistischer Traum, dass in den Löchern zwischen den Bahndämmen ein wirklich attraktiver Park für Vohwinkel entstehen könnte

Wenn die ursprünglich geplante Buga Fläche an der Tesche zwischen Bahnstraße oben und Bahndämmen unten ein Park geworden wäre, wäre das eine tolle Verbesserung für Vohwinkel geworden: Flach abfallen von der Bahnstraße hinunter, Südseite, großzügig, weiter offener Blick über Vohwinkel und den Westen Wuppertals bis Cronenberg. Und an den Seiten des Geländes hätte es eine hochwertige Bebauung geben können.

Aber der Landwirt wollte verständlicherweise nicht verkaufen oder vermieten. Er hätte nach einer Buga das Gelände nie mehr landwirtschaftlich nutzen können.

So ist jetzt nur noch der Rest geblieben: ein kleines verfallenes Gelände, zwischen Hochhäusern und Industriegebiet mit großer Spedition, unten im Loch zwischen hohen Bahndämmen. Fünf Tennisplätze müssten abgeräumt und vermutlich teuer nach der Buga neu gebaut werden. Dieses Restgebiet ist absolut unattraktiv, eine Notlösung. Nicht ohne Grund sind alle anderen Parks Wuppertals auf den Höhen und nicht unten im Loch.

 

2.2.) Der Platz für die Buga ist nach der verweigerten Genehmigung für die Tescher Wiesen erweitert worden um das Gelände des alten Lokschuppens. Hier soll ein neues grünes Wohngebiet entstehen.

Der Investor hat sicher fertige Pläne, wie das Gelände zwischen Hang zur Tesche und der Bundesbahnhauptstrecke mit ICE und viel Regionalverkehr optimal bebaut werden kann. Vermutlich ist es dem Investor (Clees) teuer abgekauft worden, dass er seine Baupläne erst nach der Buga 2031 umsetzt. Das bedeutet aber auch zehn Jahre Verspätung für dringend benötigte Wohnbauten in Vohwinkel.

Vermutlich wird der Investor trotz aller Ideen der Buga für eine lockere grüne Bebauung sicher nach der Buga seine Pläne einer kompakten und möglichst ertragreichen Bebauung neben der Bahnstrecke durchsetzen. Die Bebauung des Stationsgartens auf der anderen Bahnseite dürfte hier Vorbild sein.

 

2.3.) Um den Besuchern den Weg zur Schwebebahnhaltestelle Bruch so angenehm wie möglich zu machen, soll eine Brücke vom Lokschuppenareal über die Bahnstrecke zum Parkplatz oberhalb der Schwebebahnstation Bruch gebaut werden. Diese Brücke kann nach der Buga durchaus eine sinnvolle Verbindung zwischen Tesche und Schwebebahnhof Bruch sein, wenn nicht für viele der Weg durch den Bahnhof Vohwinkel zur Schwebebahnstation Vohwinkel ohne zu überwindende Höhenunterschiede im Bereich von 14 Hochhausetagen wesentlich bequemer ist. Mit Kosten von ca. 1,2 Mio. € für diese Brücke wird gerechnet.

Konkret sind das: Hoch auf die Brücke über die Bahngleise: acht Meter; herunter von der Brücke wieder acht Meter; vom Parkplatz zur Brucher Schwebebahnstation: 14 Höhenmeter; von der Straße hinauf auf die Abfahrtsebene der Schwebebahn sechs Meter; am Zoo wieder herunter: sechs Meter. 

Für den Weg vom Zoo zurm Haupteingang gelten die gleichen Höhenmeter, nur muss man die Brucher Stiege hinaufsteigen.

Das sind zusammen 42 Meter, oder umgerechnet ca. 14 Etagen eines Hochhauses, die weitgehend zu Fuß (außer Schwebebahnstationen mit Aufzügen) zurückgelegt werden müssen. Das ist sportlich, aber nicht gerade bequem und angenehm für die meist älteren Besucher der Bundesgartenschau. Ein Punkt der Verärgerung. 

 

2.4.) Eine sinnvolle Verbesserung wird der Zugang zwischen dem Park-und-Ride Parkplatz und der Schwebebahnstation Bruch erfahren müssen. Aber kann dieser Weg platzmässig überhaupt mit behindertengerecht erlaubten max. sechs Prozent Steigung ordentlich ausgebaut werden? 14 Höhenmeter entsprechen einer Weglänge von ca 250 Metern. Dieser steile Weg hinter dem alten Seidenweberhaus, dem heutigen Kaufland und aldi ist und bleibt sehr unattraktiv, anders als in Erfurt der Panoramaweg zum Petersberg.

 

2.5.) Da der bisherige Weg vom Vohwinkler Bahnhof zum Buga-Haupteingang mit dem Aufzug und der schmalen Brücke für die Bahn völlig unzureichend ist, dürfte eine Unterführung zwischen Bahnhof und Buga - Haupteingang unter den Gleisen nach Essen her gebaut werden. Diese Unterführung ist sinnvoll, um die Treppen und den oft störanfälligen Aufzug zur Tesche zu ersetzen. Leider sind nirgendwo die Kosten aufgeführt. Bezahlt die Bahn diese Unterführung oder sind das zusätzliche städtische Kosten für die Bundesgartenschau?

 

Kommen wir zum Bereich Zoo und Hängeseilbrücke und den Veränderungen, die dort geplant sind.

2.6.) Eine sehr sinnvolle Verbesserung ist sicher die Zoo-Seilbahn bis zur Löwenwiese. Als kleine Seilbahn vom Zoo-Parkplatz bis zur Löwenwiese oberhalb des Zoos nach dem Modell der Seilbahn an Schloss Burg hilft sie älteren Personen in dem steilen Zoogebiet aber auch Familien mit Kinderwagen, die dann leicht von oben her den Zoobesuch gestalten können.

 

2.7.) Diskutieren muss man dann über die Weiterführung der Zoo-Seilbahn von der Löwenwiese bis zur Königshöhe. Zentral wichtig wäre sie für die Hängeseilbrücke, die ohne eine solche Seilbahn für Buga-Besucher nicht erreichbar ist. Aber die Seilbahnweiterführung bis zur Königshöhe bräuchte während der Buga eine ganz andere Größenordnung als für den Alltagsbetrieb nach der Buga.

Die bisherigen Informationen zur Finanzierung lassen aber vieles unklar: Die Vorfinanzierung wird während der Buga plus zehn Jahre durch eine Seilbahngesellschaft geleistet. Aber wo und wie werden eventuelle Defizite abgerechnet? Unwahrscheinlich ist, dass das Risiko bei der Seilbahngesellschaft liegen könnte. Die Verträge werden vermutlich eine Garantie durch Stadt oder Zoo gewährleisten.

Nach der Buga soll diese Gesellschaft mutmaßlich auch die Hängeseilbrücke mit Eintrittsgeldern bewirtschaften. Interessant werden dann die Risiken für die Stadt und die Absicherungen für die Gesellschaft sein.

Eine offene Frage bleibt, ob die Seilbahn während und nach der Buga auch ohne Zooeintritt benutzt werden kann.

 

2.8. Ein ganz anderes Problem wird die Aufteilung des Zooparkplatzes sein. Er wird gebraucht als Bus- und Autoparkplatz für den Zoo, als Standort für die Talstation und Parkgarage der Zooseilbahn, als Parkplatz für die Bergische Akademie und für das Restaurant Da Vinci und als Parkplatz für Besucher des Stadions. Es gibt Pläne für eine dort zu bauende Sportakademie des WSV. Ist dort überhaupt genügend Platz für alle diese Anforderungen? Kann ein dort geplantes Parkhaus alle Aufgaben bewältigen?

 

2.9. Das zentrale Bauwerk der Buga soll die Hängeseilbrücke zwischen der Kaiser- und der Königshöhe werden.

 

2.9.1.) Anders als oft gesagt werden damit zwar Höhen (Südhöhen mit Nützenberg) miteinander verbunden, aber das ist keine sinnvolle Verbindung, da man von der Kaiserhöhe auf dem Nützenberg zu allen Seiten nur steil heruntergehen kann. Man bleibt nicht auf den Höhen. Die Nordbahntrasse im Bereich der Kaiserhöhe liegt fast unten auf Talniveau: Man betritt sie am Otto-Hausmann-Ring in Höhe von Lidl oder Neukauf.

 

2.9.2.) Damit ist die Brücke für Radfahrer sehr unattraktiv. Man kann als Radfahrer besser auf der Sambatrasse direkt ins Tal fahren als sein Rad über die Brücke zu schieben. Auf einer Hängebrücke geht es, anders als auf normalen Brücken, ja erst einmal steil hinunter, dann wieder steil hinauf: Sehr wenig komfortabel für schiebende Radfahrer und in keiner Weise den Weg erleichternd.

 

2.9.3.) Die Hängeseilbrücke ist von ganz Elberfeld und Vohwinkel gut sichtbar. Und sie wird damit möglicherweise, eher wahrscheinlicherweise, zu einem für viele suizidwillige Menschen nicht nur aus Wuppertal idealen Ort für die Androhung eines Suizides. Der angedrohte Sprung von der Brücke bietet ein sehr hohes Aufmerksamkeits- und Drohpotential. Man kann bestimmte Forderungen stellen und so lange dort sprungbereit bleiben, bis diese Forderungen erfüllt werden. Schon die weitabgelegene Blombachtalbrücke hinter Ronsdorf hatte viele Suizidwillige angezogen, bevor hohe Stäbe und Gitter jedes Herunterspringen unmöglich machten.

Solche hohen, nach Innen gebogenen Stäbe würden aber aus der lockeren, leichten Hängeseilbrücke eine schwere Gefängnisbrücke machen. Das zusätzliche Gewicht der Stäbe oder Gitter würde die gleichzeitige Zahl der Besucher erheblich einschränken.

Würde man Netze unter die Brücke spannen, die natürlich auch wieder überklettert werden könnten, wäre die optische Wirkung ähnlich bedrückend wie bei den Stäben und die Netze würden kaum helfen.

So würde die Brücke sehr leicht zu einer katastrophalen Gefahr durch Boulevardmedien: Die "Todesbrücke von Wuppertal" wäre ein fatales "Markenzeichen" der Buga.

Bei mehrfach notwendiger Sperrung der Bundesbahnstrecke droht zudem das Risiko, dass die DB ihre ICE-Hauptstrecke von Wuppertal weg ins Ruhrgebiet verlegt und in Wuppertal nur noch die IC- Zubringerstrecke nach Köln und Dortmund verbliebe. Die DB würde das vermutlich sehr begrüßen, da dann Wuppertal alleine die Schuld träfe für diese Wuppertal wirtschaftlich benachteiligende Maßnahme.

 

2.9.4.) Da die Brücke durch internationale Konzerne gebaut werden würde, nicht durch Wuppertaler, könnte die Wuppertaler Wirtschaft von diesem 15 Mio. € Bau nicht profitieren. Alle Gelder fließen nach außen.

 

2.9.5.) Eine große Hoffnung verbindet sich mit den Brückenplänen: Diese 700 m lange Hängeseilbrücke soll nach der Buga mindestens weitere neun Jahre lang ein sehr attraktives Touristenziel sein.

Aber ohne einen gut erreichbaren Anschluss an das Straßennetz und viele hoch gelegene Parkplätze verliert die Brücke viel Attraktivität. Das bedeutet zehn Jahre lang starker Parksuchverkehr im Briller Viertel, im Zooviertel, an der Hindenburgstraße und auf dem Nützenberg. Das dürfte zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern und Stadtspitze führen.

Die schwierige Parksituation im heute schon überfüllten Zooviertel schädigt dann 2031 zusätzlich die Zoobesucher, die ja oft mit Kinderwagen und Kindergepäck kommen und jetzt keinen Platz mehr für sich sehen. Leidtragender wird auch der Zoo sein.

2.9.6.) Wird für die Seilbahn der Zooeintritt deutlich teurer werden müssen? Völlig für die Öffentlichkeit ungeklärt ist die Frage, welche Kosten dem Brückenbesucher ab 2032 durch die Seilbahnbenutzung auf die Höhe ohne Zoobesuch entstehen? Kostenloses Parken in der Nähe, z.B. am Arrenberg, wäre mit erheblichen Anstrengungen eines Aufstieges auf die Königshöhe verbunden.

 

2.9.7.) Die Brücke dient alleine touristischen Zwecken. Eine sinnvolle Verbindung innerhalb des städtischen Wegenetzes ist nicht gegeben. Damit dürfte auch die juristische Genehmigung einer reinen Spaßbrücke über Fernverkehrsstrecken, Bundesstraße, Buslinien, Schwebebahn, Häuser und Gärten zweifelhaft sein. Häuser und Gärten sind durch Grundgesetz Art. GG 13 besonders geschützt.

Die juristische Auseinandersetzung könnte erst beginnen mit Abschluss des Planfeststellungsverfahren. Vermutlich also erst kurz vor Baubeginn. Ein jahrelanges Verfahren könnte den Bau der Brücke als Hauptattraktion der Buga juristisch im letzten Moment verhindern. Was wäre dann eine Buga ohne Brückenattraktion?

Dass die Brücke auf Vorschlag von Grünen und CDU (Stadtrat Wuppertal VO/1604/21) kostenlos zu benutzen sein soll, dürfte juristisch uninteressant sein. Für die Beurteilung der Brücke als notwendiger Wegeverbindung wie jede andere Brücke dürfte die kostenlose Benutzung nicht ausreichen. Aber bei diesem Vorschlag bleibt die Frage, wer das bezahlen soll. Eine solche Brücke über verkehrsmäßig stark benutztem Gebiet muss rund um die Uhr bewacht werden. Eine solche Security das ganze Jahr über rund um die Uhr verursacht Kosten in Millionenhöhe. Außerdem muss die Brücke in Ordnung gehalten werden, muss Schnee geräumt werden und Reparaturen werden auszuführen sein. Alles sehr kostenintensiv. Hinzu kommen die Kosten für die unten dargestellte Infrastruktur: Toiletten, Security-Aufenthaltsräume etc. Ohne Eintrittskosten, die wiederum Kassenhäuschen und Kassenkräfte auf beiden Brückenseiten benötigen, dürfte das schwer zu finanzieren sein.

 

2.9.8.) Eine solche auf viele Besucher ausgerichtete Hängeseilbrücke benötigt eine umfassende Infrastruktur:

Für Besucher und Wartende sind angesichts der weiten Entfernung zu anderen Toilettenanlagen (Stadion Zoo) dort Toilettenanlagen notwendig. Dixi-Toiletten reichen nicht aus.

Auf der Königshöhe ist eine Bühnenanlage geplant. Diese benötigt ebenfalls (Abstell-) Räume und Toiletten.

Für die Bewachung der Brücke ist, selbst wenn sie nachts gesperrt würde, eine 24/7 Security auf beiden Seiten nötig. Diese benötigt Aufenthaltsräume.

Vermutlich wird die Brücke nicht kostenlos sein können. Deshalb sind Kassenhäuschen und Sperren notwendig.

Befestigte Anfahrtswege für Beschäftigte, Notfallfahrzeuge und Taxen sind bei einem Besucheransturm von täglich mehreren Tausenden Besuchern notwendig. Evtl. müssten dort sogar dauernd Sanitäter (wie im Opernhaus mit nur ein Zehntel der Besucherzahl) zur Verfügung stehen.

Aufenthaltsräume für Reinigungs- und Reparaturpersonal (Schneeräumen) werden benötigt.

Unterstände für Wartende, die die Brücke nicht benutzen wollen, aber deren Begleiter über die Brücke gehen (ca. 20 bis 30 Minuten).

Ein zusätzlicher Kiosk würde sich hier anbieten.

 

2.9.9.) Nicht zu unterschätzen dürfte die Gefahr durch herabfallende Gegenstände auf die Verkehrswege unter der Brücke sein. Das können zufällig herunterfallende Gegenstände (z.B. Schlüsselbund) oder absichtlich herabgeworfene Gegenstände (z.B. Steine) sie, die aus 70 Metern Höhe Züge, Busse, Autos sowie Fußgänger mit starken Gesundheitsgefährdungen oder sogar tödlich treffen können.

Im Winter gibt es noch ein besondere Probleme bei wechselndem Gefrier- und Tauwetter: Über Nacht können sich lange Eiszapfen bilden. Wie soll man sie abschlagen können ohne Gefährdungen? Wie passiert gefahrlos das Schneeräumen: Durch Herabwerfen aus 70 m Höhe? Bei nassem Schnee ist das lebensgefährlich.

 

2.9.10.) Noch eine andere Schwierigkeit taucht schon beim Bauen der Brücke und vielleicht sogar schon bei den Gesteinsbohrungen auf: Es gibt auf beiden Seiten von Königshöhe und Kaiserhöhe keine ausgebauten LKW-fähigen Zufahrten zum Bau der Brücke. Vorhandene kleine und schmale Straßen oder sogar nur befestigte Wege müssten für Schwerlastverkehr ausgebaut werden.

 

2.9.11.) Die Wuppertaler Hängebrücke dürfte bei der Einweihung kein Alleinstellungsmerkmal haben. Im Sauerland in Willingen steht eine fast so lange ähnliche Brücke mit allen Genehmigungen kurz vor dem Baubeginn, so dass sie sehr bald eröffnet werden wird. Ab 2024 wird es in Hof (Bayern) eine 1030 m lange Hängeseilbrücke mit starker Unterstützung der Landesregierung geben. Wuppertals Hängebrücke ist dann nur eine unter vielen anderen.

 

2.9.12.) Die Konstruktion einer Hängeseilbrücke speziellfür Wuppertal wirft für den Nichtfachmann einige Fragen auf. Eine normale Brücke liegt an beiden Seiten auf festem Boden auf und wird evtl. in der Mitte noch durch einen oder mehrere Pfeiler unterstützt. Durch die fest aufliegende Verankerung ist eine solche Brücke sehr stabil und tragfähig. Die Last drückt senkrecht auf den Boden.

Das ist bei einer Hängeseilbrücke anders. Die ganze Last muss von den Verankerungen auf beiden Seiten gehalten werden. Das bedeutet, dass die Kräfte nicht als Last senkrecht auf eine Stelle wirken, sondern als Zugkräfte horizontal die Halterungen aus der Wand ziehen wollen.

Wenn die Hängeseilbrücke gleichzeitig von 1000 Besuchern besucht werden kann, dann entspricht das einem Gewicht von ca. 80 000 Kilogramm, also 80 Tonnen oder zwei voll beladenen Vierzigtonner Lastwagen. Die Seile, die solche Zugkräfte aushalten sollen, müssen stabil im Berghang verankert werden. 

Das Wuppertaler Gestein ist mit Sicherheit auf der Nützenberger Seite Kalkstein, der durch Wasserauswaschungen sehr porös ist. Wie man in einem solchen Gestein Stahlseile so fest verankern kann, dass sie horizontal die Zugkraft von 80 Tonnen, also zwei voll beladenen Lastwagen, aushalten können, erscheint mir als Laien eine durchaus spannende Frage zu sein, die die ganzen Brückenpläne vereiteln könnte.

Welche Menge von Beton muss auf Königshöhe und Kaiserhöhe in den Berg gepumpt werden, um eine solche Stabilität herzustellen? Dass dabei in einem halben Jahr Höchstbelastung während der Buga sich keine Veränderungen ergeben, die eine sofortige Stilllegung der Brücke erforderlich machen, erfordert sicher eine technische Meisterleistung. Bevor im Frühsommer 2022 die endgültigen Verträge mit der Bundesgartenschaugesellschaft abgeschlossen werden, muss diese Brückenfrage zweifelsfrei geklärt sein. Sonst könnte es für die Buga-Pläne schnell ein böses und teures Erwachen gegeben.

Als vor ca. 130 Jahren die Elberfelder Stadträte eine damals hochaktuelle und moderne U-Bahn bauen wollten, mussten sie diese Pläne wegen des porösen Kalksteins verwerfen.

 

2.10.) Die Bundesgartenschau findet nicht alleine in den umzäunten eintrittspflichtigen Bereichen der Buga statt. Mit ca. 2,4 Mio. € sollten andere Bereiche der Stadt, wie die vielen Parks aufgebessert werden. Damit bekommen alle Bürger ein klein wenig von stadtstrukturellen Verbesserungen durch eine Buga mit. Auch werden während der Buga etliche Veranstaltungen zur Buga irgendwo auf anderen öffentlichen Veranstaltungsplätzen in Wuppertal stattfinden. Durch die BUGA IM QUARTIER soll bis 2031 sehr dezentral für die Bundesgartenschau geworben werden.

 

2.11.) Wer angesichts der hohen Wuppertaler Einzahlungen an Steuern etc. nach anderen Verbesserungen in der Stadtstruktur sucht, wird wohl kaum fündig werden. Investitionen außerhalb der eingezäunten Buga-Gelände soll es nach den Machbarkeitsstudien zwar sehr viele geben, aber sie sind m.E. in dem bisherigen Finanzierungsplan nicht enthalten. Hier sind die Stadt und private Investoren oder Gönner gefragt, Verbesserungen für die Stadtstruktur zu entwickeln und dann auch zu finanzieren. Ob und wieweit das auch mit Hilfe des Fördervereins gelingt, wird sich herausstellen.

MIr scheinen hier vor allem die Verbesserungen der ökologischen Stadtstruktur, die der Oberbürgermeister in den Mittelpunkt seiner Buga-Gedanken stellt, eine große Herausforderung zu sein. Solche ökologischen Verbesserungen der Stadtstruktur ("Schwammstadt") dürften eher selten auf dem direkten Buga -  Gelände ihren Platz haben, sondern sind lokale Maßnahmen an verschiedenen Orten.

Koblenz hat ca. 18 Mio. € für zusätzliche Verbesserungen aufgewandt. Diese weiteren Gelder müsste zusätzlich zu den 70 Mio. € Grundbeitrag ebenfalls aus den freien Mitteln des Etats abgezweigt werden.

 

2.12.) Warum sollen solche Maßnahmen unter dem Label "Buga" organisiert werden? Könnte das die Stadt mit der Kompetenz des Wuppertal Institutes und ihren eigenen professionellen Kapazitäten nicht viel besser alleine stemmen, als hier die ferne Buga-Organisation mit einzubeziehen? Immerhin ist der Wuppertaler Oberbürgermeister Prof. Dr. Uwe Schneidewind Herausgeber eines vielbeachteten und geachteten Fachbuches zur ökologischen Umstrukturierung in Deutschland: Ein Standardwerk von 2018: "Die große Transformation".

Viele ökologische Maßnahmen sollten weit vor 2031 realisiert werden und damit völlig unabhängig von der Buga 2031 sein. Andere Städte überholen sonst leicht Wuppertal, weil Wuppertal durch den Abstimmungszwang mit der Buga-Gesellschaft und durch die Fixierung auf 2031 gehemmt wird.

 

 

 

 

3.) Finanzierung

3.1.) Ein wichtiger Pfeiler der Finanzierung der Buga - Kosten von ca. 120 bis 150 Mio. € werden die Eintrittskarten zur Buga sein. Deren Einnahmen von geschätzt ca. 28,5 Mio € machen neben dem Wuppertaler Grundbeitrag von 70,9 Mio € und neben den Zuschüssen des Landes von ebenfalls ca 34.9 Mio. € also ca. 20 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Hinzu kommen noch weitere ca. 20 Mio. € aus Lizenzgebühren etc..

 

3.2.) Wie hoch werden 2031 die Eintrittspreise sein? Seriös kann das noch niemand beantworten. Die Machbarkeitsstudien haben grundsätzliche Überlegungen zu den differnzierten Eintrittspreisen vorgestellt.

Danach rechnet man mit einer normalen Einzeltageskarte von ca. 24 €. Das entspräche dem Eintritt in Erfurt 2020. Allerdings käme dazu noch ein nicht definierter Betrag für die in den Eintrittskarten enthaltenen Tickets für Schwebebahn und Busse innerhalb des VRR und für die Fahrkarten der DB, die wohl ein kostenloses Anreisen aus der Region wie auch einen Zug-Pendelverkehr zwischen Vohwinkel und Hauptbahnhof ermöglichen sollen. Geschätzte sieben bis acht € dürften nicht zuwenig sein. Dazu müsste noch der Zoo-Eintritt gezählt werden, wenn der Zoo mit im Eintagesticket enthalten sein soll. In der Machbarkeitsstudie ist der Zoo - Eintritt nur in dem Zweitagesticket beinhaltet. Acht Euro dürften hier mindestens mit einkalkuliert werden müssen. Wenn bei präziseren Planungen der Buga noch weitere Kostenpositionen hinzukommen (Grunderwerb etc) könnte sich auch der Eintrittspreis von 24 € (2021) als nicht ausreichend erweisen.

Damit ergäbe sich ein Eintrittspreis auf der Kalkulationsbasis von 2022 von 24 € plus 7 € (VRR-DB) plus 8 € (Zoo) entsprechend 39 €. Rechnet man die Teuerungsrate bis 2031 mit ein, dann dürfte der Tageseintritt nahezu 50 € betragen.

Wer kann und will das für einen Tagesbesuch anlegen? Ein zu hoher Ticketpreis dürfte zusätzlich zu den üblichen hohen Preisen innerhalb einer Buga manchen potentiellen Besucher abschrecken. Weniger Besucher werden aber die Einnahmenseite zusätzlich belasten.

Allerdings sei hier deutlich angemerkt, dass alle Annahmen zu den zusätzlichen Kosten Schätzungen eines Laien sind. Bisherige konkrete Überlegungen zu der Zusammensetzung der Eintrittskosten sind mir außerhalb der Machbarkeitsstudien nicht bekannt.

 

3.3.) Die Gesamtkosten setzen sich nach der Machbarkeitsstudie aus einem Investitionshaushalt von rund 70 Mio. € für Investitionen in den drei Kernarealen und einem Durchführungshaushalt von rund 50,6 Mio. € zusammen. Sie belaufen sich somit auf ca. 120,6 Mio € bis 150 Mio €.

In den Investitionskosten ist allerdings noch kein einziger € für Grundstückskosten enthalten. Angesichts vieler im Privatbesitz (Königshöhe) oder im Besitz anderer Institutionen befindlichen Grundstücke (Z.B. Tennisplätze und Bogenschiessgelände des Eisenbahnersportvereins West auf einem der DB gehörenden Gebiet am Tescher Loch) dürfte hier ein (von einem Laien) geschätzter zweistelliger Millionenbetrag zusätzlich einkalkuliert werden müssen. Notwendige Rekultivierungsmaßnahmen der früheren Deponie am Homanndamm sind ebenso noch nicht berücksichtigt wie alle außerhalb des Buga-Geländes liegenden Investitionen. (Z.B. Die gewünschte Verlängerung der Sambatrasse, die inzwischen offensichtlich von der Bahn abgelehnt worden ist, weil diese das benötigte Gelände selbst nutzen will.)

Auch fehlt bei den Investitionskosten die Seilbahn über den Zoo. Diese Seilbahn vom Zoo-Parkplatz bis auf die Königshöhe soll durch eine Seilbahngesellschaft als Investorenmodell gebaut und wohl zehn Jahre lang betrieben werden. Die Kosten während der Buga sind im Durchführungshaushalt enthalten, um sie der Seilbahngesellschaft aus den Eintrittsgeldern erstatten zu können. Über die Abrechnungsmodalitäten nach der Buga ab 2032, wenn diese Seilbahngesellschaft auch die Brücke mit unterhalten soll, gibt es in der Machbarkeitstudie keine Hinweise.

Beim Durchführungshaushalt von 50,6 Mio. € nicht berücksichtigt sind die Mobilitätskosten für die Schwebebahn und den DB-Pendel zwischen Vohwinkel und Zoo bzw. Hbf und für die anderen Angebote des erweiterten ÖPNV durch VRR und DB für An- und Abreise.

 

3.4.) Die Einnahmen für die Buga setzen sich aus folgenden Posten zusammen:

- 70,9 Mio € Stadt Grundbeitrag

- 34,9 Mio € Zuschüsse Land

- 28,5 Mio € Besuchereintritte und

- 5 Mio € Nutzungsgebühren von Essständen, Lizenzgebühren, Verkauf von Einrichtungsgegenständen nach der Buga etc.

 

3.5.) 70,9 Mio € sind der sichere minimale Eigenbeitrag der Stadt Wuppertal. Dieses Geld müsste aus den freien Mitteln des Stadtetats finanziert werden. Normalerweise betragen diese Mittel etwa 70 Mio. € jährlich. Wenn also über zehn Jahre bis zur Buga 70,9 Mio. € finanziert werden müssen, wären das jedes Jahr ca. sieben Mio. €. Aus diesem Topf werden normalerweise aber auch die Hilfen für Schulen, Schulsozialarbeit, Nachmittagsbetreuung, Kindergärten, Sozialarbeit, Kunst, Kultur, Vereinsarbeit, Sportvereine etc. genommen. Das sind vor allem Mittel, die vielen Menschen des ärmeren Drittels der Wuppertaler Bevölkerung das Leben erleichtern. Das bedeutet, dass dieses ärmere Drittel ein Fest für die begüterte Stadtgesellschaft und Gäste von außerhalb finanziert, wobei diese ärmeren Menschen selbst angesichts des hohen Buga-Eintritts die Buga nicht besuchen können. Das ist Umverteilung finanzieller Mittel der Stadt von unten nach oben.

Ob jede zukünftig für 10 Jahre von dieser 10 prozentigen Mittelkürzung betroffene Organisation sich darüber schon Gedanken gemacht hat? Für viele Vereine sind das Arbeitsbereiche, die nicht mehr finanziert werden können. Das dürfte für die Einstellung zu einer Buga 2031 nicht unwichtig sein.

 

3.6.) Bei den Planungen einer Buga wird davon ausgegangen, dass neben den geplanten und fixierten Grundkosten von 70.9 Mio. € noch erhebliche Summen für Verbesserungen der Stadtstruktur im übrigen Stadtgebiet aufgewendet werden. In Koblenz waren das zusätzlich zu dem Investitionshaushalt von 35,2 Mio. € noch einmal zusätzliche Investitionen von 18,9 Mio. €. Bei einem Wuppertaler Buga- Investitionshaushalt von ca. 70 Mio. € wären das noch einmal rund 38 Mio. €. Diese Gelder müssten ebenfalls aus den freien Mittel des Stadtetats zu Lasten der weniger begüterten Stadtbevölkerung finanziert werden, sofern sie nicht durch private Investoren oder private Zuschüsse getragen werden.

 

3.7.) Die Stadt ist mit dem neu gegründeten Förderverein für die Buga übereingekommen, dass er zur Entlastung des städtischen Haushaltes aus privaten Quellen Fördergelder einsammelt. Allerdings sind auch städtische Gesellschaften Mitglieder des Fördervereins, die für ihre Arbeit von der Stadt subventioniert werden müssen. So besteht die Gefahr, dass die Stadt durch die Zuschüsse für defizitär arbeitende Tochtergesellschaften auf Umwegen weitere Mittel für die Buga zur Verfügung stellt. Als Umwegfinanzierung dürfte das aber verboten sein.

 

3.8.) Interessant für die Finanzplanungen ist ein Antrag, den die Stadtratsfraktionen von CDU und Grünen nach allen Ausschussberatungen und allen Beschlüssen unmittelbar vor der Stadtratssitzung eingebracht haben (VO/1604/21). Er wurde allerdings von der Mehrheit abgelehnt.

"Der Förderverein wird darüber hinaus jedwede Anstrengung unternehmen, um weitere Fehlbeträge im Ergebnishaushalt, die sich im Zusammenhang mit dem Betreiben der Bundesgartenschau bzw. der endgültigen Übernahme aus der Liquidation nach Abschluss der Bundesgartenschau ergeben, auszugleichen. Dies hat der Förderverein schriftlich erklärt. Die nächsten Monate werden zeigen, ob der Förderverein hier ein zukunftsträchtiges und belastbares Modell entwickeln wird, denn nur so kann die Durchführung der Bundesgartenschau sichergestellt werden. Die antragstellenden Fraktionen sind der Auffassung, dass die Seriosität und Belastbarkeit der Finanzierung bei Beschlussfassung über Ausführungsplanungen auch im Hinblick auf die Unterstützung durch den Förderverein letztlich gesichert sein muss."

CDU und Grüne halten also fest, dass der Förderverein bis zum Buga-Ausführungsbeschluss im Frühsommer 2022 garantieren muss, dass er alle "weiteren Fehlbeträge im Ergebnishaushalt, die sich...nach Abschluss der Bundesgartenschau ergeben," ausgleichen wird.

Wie kann ein privatwirtschaftlicher Verein das zehn Jahre im voraus garantieren? Es geht möglicherweise um eine zweistellige Millionensumme! Dabei muss man ja davon ausgehen, dass die defizitär arbeitenden Tochtergesellschaften der Stadt, die Mitglied im Förderverein sind, nicht zu diesem Ausgleich 2032 beitragen können. Das wäre sonst eine nicht erlaubte Umwegfinanzierung durch die Stadt.

Wenn nur so "die Durchführung der Bundesgartenschau sichergestellt werden kann" ist diese unerfüllbare Forderung schon eine halbe Absage der Bundesgartenschau.

 

3.9.) Nicht unwichtig für die Gesamtbeurteilung der Buga dürfte auch der Hinweis sein, dass jeder der 360 000 Wuppertaler aus seinen Steuern durch Stadt und Land ca. 300 € für die Buga bezahlen muss. Das sind Gelder, die Wuppertal nicht für andere Maßnahmen zur Verbesserung der Stadtstruktur zur Verfügung hat und auch nicht vom Land als Fördermittel bekommen kann.

 

3.10.) Fördermittel 1 zu 6?

Die Stadt wirbt auf ihrer offiziellen Website (WWW.Stadt Wuppertal/buga/Kann sich Wuppertal eine Buga leisten?) mit folgender Rechnung: "Bei Projekten wie einer BUGA gehen Studien von einem Verhältnis von 1 : 6 aus, das bedeutet: Auf jeden Euro, den die Stadt selbst investiert, kommen sechs weitere aus Fördermitteln und Investitionen Dritter. Daher hält sogar der Bund der Steuerzahler eine moderne BUGA für gut angelegtes Geld."

Das wirft erhebliche Fragen auf: Bedeutet das bei 70 Mio. € zusätzliche Investitionen von 420 Mio. € ? Das ergäbe eine Gesamtinvestitionssumme von 490 Mio €?

Beim Land erhofft man sich Fördermittel von 37 Mio. €, also gerade einmal eins zu einhalb, statt eins zu sechs. Wo sollen weitere 383 Mio € privat investiert werden??

 

3.11.) Bei allen Überlegungen, welche Vorteile Wuppertal aus der Buga ziehen könnte, muss man berücksichtigen, dass Wuppertal keine Touristenstadt wie Koblenz ist und auch nie werden kann.

Koblenz wird täglich von hunderten Touristen (Schifffahrt, Busreisen etc) besucht, von denen sehr viele auch hier übernachten, um einen ganzen Tag für das Mittelrheintal zu haben. Dass hier bei erwarteten 2 Mio. zusätzlichen Touristen privat investiert wird, ist logisch.

Dazu hat man wohl auch kommunale Investitionen gezählt, die man vorgezogen oder jetzt angesichts der Buga endgültig beschlossen hat.

Dazu zählen anscheinend auch die 42 Mio. € des Landes für die Renovierung der Festung Ehrenbreitstein.

Wo und von wem sollen in Wuppertal solche Investitionen getätigt werden. Hotels haben wir genug und sonst?

Wuppertal ist nicht der Tourismushotspot Koblenz und auch nicht eine zentrale Landeshauptstadt wie Erfurt, die sich in dieser Funktion noch ganz andere Finanzierungsquellen für die Buga sichern konnte.
 

3.12.) Sicher nicht unwichtig bei der Gesamtbetrachtung ist, dass der Wuppertaler Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig diese Buga für nicht finanzierbar hält. Die auf Wuppertal zukommenden Haushaltsbelastungen der nächsten Jahre erlauben eine Bugafinanzierung nicht. Schuldenabbau und die soziale Not in Wuppertal fordern andere Prioritäten. Den innerhalb dieses kommenden Jahrzehntes neu zu bauenden Kiesbergtunnel hat er dabei noch nicht einmal erwähnt.

 

 

4.) Der Grüne Zoo als Areal II

Gegenüber der ersten Machbarkeitsstudie hat Wuppertal den Grünen Zoo mit in den Mittelpunkt seiner Bundesgartenschaupläne gerückt. Ob das die Bundesgartenschaugesellschaft mit Freude mitgemacht hat, erscheint reichlich fraglich zu sein. Obwohl 95 Prozent aller Besucher Eintagesgäste sein dürften, ist nämlich in den Überlegungen der Machbarkeitsstudie II zu den Eintrittstickets kein Eintagsticket enthalten, das den Zoo mit einbezieht. Erst das Zweitagesticket gibt es als Ticket mit Zoo-Eintritt. Aus Wuppertaler Sicht liegt aber die Zoobesichtigung auf dem Weg zwischen Hängeseilbrücke und Schwebebahn: hinauf mit der Seilbahn, hinunter durch den Zoo.

Der Grüne Zoo soll in den Jahren bis zur Buga modernisiert und aufgemöbelt werden. Die Seilbahn vom Zoo-Parkplatz hinauf bis zur Zoo-Höhe am Löwengelände würde sicher ein sehr guter Fortschritt für den Zoo sein. Allerdings würde die Besucherzahl der Buga zusätzlich zu den Zoo-Besuchern eine ganz andere Größe der Seilbahn erfordern, die aber für die Brückenbesucher der kommenden Jahre ab 2031 weit überdimensioniert sein dürfte.

Ob allerdings der Besuch aller drei Areale in eine Eintagestour zur Buga passt, wird man sehr berechtigt in Frage stellen können. Ein normaler Bugabesuch mit den Ausstellungen im zentralen Areal I dürfte allein mindestens einen halben Tag dauern, dazu noch die Brücke und der Grüne Zoo? Da wird irgendetwas sicher zu kurz kommen müssen. Alle drei Areale an einem Tag zu besuchen, könnte für viele eine Überforderung sein.

Kann der Zoo denn überhaupt die zusätzlichen Besucher verkraften? Wenn statt an guten Tagen zehntausend Besucher dann auf einmal dreissigtausend Besucher mehr kommen, wird die Infrastruktur des Zoos sehr arg strapaziert. Und hetzende Buga-Besucher passen kaum neben die von den Tieren faszinierten Dreijährigen und ihre Eltern mit dem Kinderwagen. Stress und ruhiger Zoo-Besuch schliessen sich aus.

Möglicherweise wird der Zoo-Besuch in diesem Buga-Sommer 2031 für die normalen Eltern und Großeltern mit Kindern sehr unattraktiv. Schon die überforderte Parksituation im Zooviertel durch zusätzlich hunderte Buga-Besucher mit Auto könnte manchen Zoo-Besuch scheitern lassen. Denn Eltern mit kleinen Kindern werden nicht ihr Auto weit vom Zoo weg abstellen wollen und können. Und so groß kann ein Parkhaus am Zoo gar nicht gebaut werden, dass hier alle Zoo- und Buga-Besucher unterkommen können. Nach der Buga stände es dann weitgehend leer.

 

 

5.) Stimmung in der Öffentlichkeit

5.1.) Eine erfolgreiche Bundesgartenschau lebt davon, dass die Öffentlichkeit der einladenden Stadt voll hinter der Bundesgartenschau steht und diese unterstützt. Ein freundlicher Empfang der Gäste ist unumgänglich.

Ob das in Wuppertal in zehn Jahren der Fall sein wird, ist sehr fraglich. Wuppertal hat so viele Finanzprobleme, dass die weit verbreitete Stimmung sein dürfte: "Es gibt viel Wichtigeres für Wuppertal als eine Buga!"

Für die Unterschriftensammler für das Bürgerbegehren gegen die Buga war es erstaunlich, wie wenige Menschen sich überhaupt mit der Bundesgartenschau 2031 auseinandergesetzt hatten. Viele wussten nichts von diesen Plänen. Oder anders gesagt: Wenn sie irgendwo etwas davon gehört haben, hat es sie nicht interessiert.

Schon der WZ - Chefredakteur schrieb am 16.08.21 in einer Kolumne die Warnung vor einem Bürgerentscheid wie bei der Seilbahn: "..ein Bürgerentscheid wäre das sichere Aus für die Buga...". Damit hat er vermutlich Recht.

 

5.2.) Das Bild in der Öffentlichkeit ist geprägt durch eine schier unvorstellbare Einseitigkeit der Information. Viele Seiten lang konnten seit Monaten in der Westdeutschen Zeitung und in der Wuppertaler Rundschau die Befürworter einer Buga in Interviews zu Wort kommen, während die Kritiker auf den gelegentlichen Abdruck von Leserbriefen als einziger Darstellungsmöglichkeit angewiesen waren. Erst nach dem Grundsatzbeschluss im Stadtrat hat die SPD in einer anderthalbstündigen online - Debatte fünf Befürworter und mich als einzigen Kritker der Buga zu Wort kommen lassen. Lediglich die Wuppertaler Online-Zeitung WTOTAL veröffentlichte mehrfach kritische Kommentare zu den Bundesgartenschauplänen.

 

5.3.) Die Bürgerinitiative "Buga-so nicht" mit dem Bürgerbegehren kam öfters zu Wort. Mehrfach wurde über ihre Waldspaziergänge auf der Königshöhe berichtet und es wurden die Einladungen dazu abgedruckt. Allerdings haben die Berichte auch die Bürgerinitiative in ein bestimmtes Licht gerückt: Es ginge ihr nur um ihre Bäume auf der Königshöhe. Die Buga selbst fänden sie gut, allerdings nicht bei ihnen: Buga - so nicht. Dass sich auf den Seiten der Bürgerinitiative massenhaft Argumente gegen jegliche Ausrichtung der Buga in Wuppertal finden, blieb unerwähnt. So wurde die Bürgerinitiative Königshöhe mit ihrem Bürgerbegehren in ein sehr egoistisches Licht gerückt. Warum sollten Barmer und Ronsdorfer dafür unterschreiben?

 

5.4.) Einen sehr interessanten Antrag an den Stadtrat stellten CDU und Grüne in ihrem Stadtratsantrag VO/1604/21 wenige Tage vor dem Grundsatzbeschluss zur Bewerbung um die Bundesgartenschau am 16. Nov. 2022.

Dieser Antrag beinhaltet eine vorsichtige Distanzierung von den Buga - Plänen, indem die beiden Parteien drei eigentlich unerfüllbare Forderungen zur Konkretisierung der Buga stellten:

Zum einen sollten die Wuppertaler Stadtwerke garantieren, dass die Schwebebahn während der Buga 2031 störungsfrei zur Verfügung steht. Da weiß jeder Wuppertaler angesichts manchmal täglicher Störungen, dass eine solche Forderung völlig utopisch ist und auch 2031 nie garantiert werden kann. Eine Abhängigkeit der Mobilität alleine von der Schwebebahn darf es 2031 nicht geben.

Die zweite Forderung richtet sich an den Förderverein, der schon im nächsten Halbjahr 2022 vor dem endgültigen Durchführungsbeschluss des Stadtrates quasi eine Garantie dafür abgeben soll, dass er nach der Buga 2032 alle dann noch verbliebenen Verbindlichkeiten, die aus der Buga entstanden sind, ohne Belastung des Stadtetats übernehmen wird. Wie soll ein auf Spenden angeweisener privatrechtlicher Förderverein eine solche Garantie geben können?

Und die dritte Forderung besteht darin, dass die Benutzung der Brücke nach der Buga kostenlos sein soll. Damit soll wohl unterstrichen werden, dass diese Brücke ein normaler Teil des öffentlichen Wuppertaler Verkehrswegenetzes ist und keine reine touristische Spaßbrücke. Für einen öffentlichen Weg würden dann die normalen Regeln wie für alle anderen Brücken gelten, wenn sie Schwebebahn, Bundesbahnstrecken, Straßen und Häuser überqueren.

Ob diese Konstruktion juristisch haltbar ist, dürfte sehr fragwürdig sein und von den betroffenen Haus- und Gartenbesitzern juristisch bestritten werden. Zu eindeutig ist diese Brücke eine in Wuppertals Verkehrswegenetz überflüssige Brücke, die alleine touristischen Zwecken dient: Ein überflüssige Spaßbrücke, die evtl. notwendige Enteignungen nach den Enteignungsgesetz NRW (EEG NRW §4) nicht rechtfertigen könnte.

 

5.5.) Dass die Bundesgartenschau aus den Mittel finanziert wird, die sonst sozialen oder kulturellen Zwecken zur Verfügung stehen, wurde oben schon einmal thematisiert. Wenn es sich herumgesprochen hat, dass die Finanzierung der Buga für zehn Jahre eine zehnprozentige Kürzung der Zuschüsse für Vereine, für die freie Kulturszene, für besondere Hilfen für sozial Schwache, für Unterstützungen für Kindergärten und Schulen etc durch Stadt oder Stadtsparkasse bedeutet, wird das sicher starke Proteste auslösen.

Wer heute aus diesen freien Mitteln Gelder bekommt, müsste zehn Jahre lang mit durchschnittlich zehn Prozent weniger rechnen. wenn 7 Mio. € der jährlich zur freien Verfügung stehenden 70 Mio. € für die Buga reserviert werden.

 

5.6.) Jeder der 360 000 Wuppertaler würde aus seinen Steuern ca. 300 € für die ca. 130 Mio teure Buga aufbringen, da die Stadt 70 Mio. € bezahlt und das Land ebenfalls aus Steuermitteln 35 Mio €. Diese 105 Mio. € entsprächen ca. 300 € von jedem der 360 000 Wuppertaler Einwohner.

 

5.7.) Eine erfolgreiche Buga kann nur gelingen, wenn die Bevölkerung voller Begeisterung die Buga unterstützt. Davon ist wenig zu spüren. Und es ist angesichts der Probleme auch kaum davon auszugehen, dass sich diese Einstellung deutlich ändert. Was soll sich für die Wuppertaler verbessern, worauf sie sich freuen könnten?

 

 

 

6.) Misslingender Bewerbungsprozess

6.1.) Wenn die Buga-Bewerbung irgendwann abgebrochen werden muss und misslingt, dann dürfte das zuerst einmal an der schlechten Wuppertaler Kommunalpolitik liegen. Ein Projekt, das von der Begeisterung der Bürger getragen werden soll, hätte von vorneherein offen und ehrlich diskutiert werden müssen. Selbstverständlich gibt es bei allen Projekten Gegenargumente. Aber über die muss man sprechen und sie möglichst entkräften. Doch die Wuppertaler Politik hat wie bei der Seibahn-Diskussion vor einigen Jahren eine andere Strategie verfolgt: Alle Gegenargumente und alle Kritik nicht zu Kenntnis zu nehmen, sie möglichst nicht durch die Presse bekannt werden zu lassen und nur zu hoffen, dass die Pro-Stimmen in der Politik so stark sind, dass sie sich bis zu den Beschlüssen durchsetzen. Es gab also keine offene Diskussion über pro und contra vor der Grundsatzentscheidung im Nov. 2021, sondern das Denken über die Buga wurde bestimmt durch eine massive einseitige Beeinflussung in Politik und Presse zugunsten der Buga.

Doch die Strategie von Kindern kann kein Vorbild für die Poltik sein: Augen zu und hoffen, dass das Angsteinflössende dann weg ist. Die Gegenargumente bleiben, auch wenn man sie eine Zeit lang ignorieren kann. Aber später werden sie mit umso mehr Macht sich Gehör verschaffen.

 

6.2.) Keine Firma leistet sich ein Vorgehen wie die Kommunalpolitik: Der Chef sagt, dass er ein bestimmtes Projekt für gut hält und durchsetzen will. Seine Angestellten sollten nur positive Aspekte nennen, negative will er garnicht hören. Eine solche Firma wäre bald Pleite. Aber die Wuppertaler Politik handelt geradewegs so.

 

6.3.) Wuppertal hätte lernen können von dem negativen Vorbild Duisburg: Duisburgs politische Leitung wollte die Love Parade zum Ruhme der Stadt auf jeden Fall. Niemand rechnete aus, dass 1 Millionen Zuschauer in drei Stunden durch einen 25 Meter breiten Tunnel müssten: Drei Stunden sind 180 Minuten oder 10 800 Sekunden. Eine Millionen Menschen durch 10 800 Sekunden ergibt, dass einhundert Menschen pro Sekunden durch den Tunnel gehen müssten. Völlig unmöglich, selbst wenn nur die Hälfte der Besucher gekommen wären.

 

6.4.) Wuppertal hätte von Duisburg lernen können, dass zu einem guten Projekt offene und ehrliche Diskussionen so früh wie möglich notwendig sind. Schönfärberische Rechnungen gehen nicht auf: sie führen geradewegs in die Katastrophe. Wuppertals Buga wird hoffentlich nicht in einer Katastrophe enden, aber wenn die Besucher sich auf einen schönen stressfreien Tag freuen und sie müssen lange ärgerlich in Schlangen warten oder anstrengende Wege auf sich nehmen, dann verbreiten sie ein schlechtes Urteil über Wuppertal und das Hauptziel der Buga, Wuppertal ein gutes Image zu verschaffen, verkehrt sich in der Realität zum genauen Gegenteil: "Wuppertal - nie wieder!"

 

 

7.) Wagen wir zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft

7.1.) Hoffentlich wird das Bürgerbegehren erfolgreich sein, damit dann anlässlich des Bürgerentscheides eine intensive Diskussion über Vor- und Nachteile der Buga in der Öffentlichkeit geführt werden kann. Aus diesem Grund ist dieser lange Artikel entstanden: Er soll die Gefahren, Risiken und Nachteile der Buga aufzeigen, damit man eine solide Grundlage für die Diskussionen in der Stadtgesellschaft besitzt.

 

7.2.) Dann rechne ich sehr stark mit einer Ablehnung der Bundesgartenschau 2031.

 

7.3). Aber für alle Buga-Fans einversöhnlicher Ausblick: Zehn Jahre später könnte es eine neue Bewerbung für eine Buga geben mit dem Auftrag, für die riesigen Halden und seit Jahrzehnten ungenutzten Kalksteinbrüche im Wuppertaler Westen neue Konzepte zu entwickeln. Das wäre Pionierarbeit für die unendlich vielen alten Steinbrüche in ganz Deutschland und würde der Stadtentwicklung in Wuppertal massiv helfen: Es gäbe auf den dann nicht mehr gebrauchten Haldenflächen genügend Platz für die Buga und anschliessend für bneue Stadtteile. Und neue Nutzungen für die Steinbrüche könnten aus vielen Ideen entwickelt werden: Firmenlagerräume könnten in die Tiefe statt in die Höhe gebaut werden; große Veranstaltungshallen mit riesigen Parkhäusern könnten unauffällig und autobahnnah errichtet werden, wobei die Gartenausstellung Buga auf der Oberfläche genügend Platz hätte; naturnahe Sport- und Eventanlagen könnten den Steinbrüchen einen neuen Nutzung geben: Diese Buga 2041 könnte ein Feuerwerk an nützlichen Ideen für die Steinbrüche entwickeln.

 

8.) Ausführliche Information über Kritik

Wenn sie googeln "Wuppertal + Bundesgartenschau + Kritik" finden Sie meine Homepage mit weiteren ausführlichen Artikeln zur Buga seit Jahren fast immer auf der ersten Seite bei google: www.manfredalberti.de.

Ich bin Laie und kein Fachmann. Das macht mich frei von spezifischen Interessen. Eine Buga 2031 würde mir persönlich und der Familie und Bekannten keine Nachteile bringen. Ich sehe nur die vielen verschwiegenen Probleme für die Stadtbevölkerung Wuppertals.

Wenn ich irgendwo in diesem Artikel Fehler gemacht habe, möchte man mir das bitte mitteilen: manfredalberti@hotmail.com. Ich werde sie dann gerne berichtigen. Ebenso würde ich mich freuen, wenn weitere Aspekte, die ich nicht berücksichtigt habe, mir genannt würden. Ich werde sie gerne in diesen Artikel einbauen.

Ich bin bereit, über meine kritische Sicht zur Buga mit jedermann zu diskutieren oder einen kostenlosen Vortrag zu halten. Dann möge man mich bitte anschreiben oder anrufen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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