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BuGa 2031: Sind 70 Mio. € angemessen?

Wie sehr die Sprache das Denken lenkt, kann man sehr gut sehen bei der Diskussion um die Finanzierung der Bundesgartenschau 2031. "Kann der Kämmerer das finanzieren?" lautet die Kernfrage. Natürlich kann er das! Er findet ja auch genügend Geld für die Unwetterschäden 2021. Aber die eigentlich entscheidende Frage lautet etwas anders: "Soll der Kämmerer das finanzieren?" oder ausführlicher: "Ist die Finanzierung der Bundesgartenschau mit mindestens 70 Mio. € eine so wichtige und zentrale Aufgabe des Kämmerers, dass er dafür andere Ausgaben aufgeben muss?"

Es ist die Aufgabe des Stadtrates, zu entscheiden, was momentan die wichtigsten Ausgabenprojekte sein sollen. Dabei übernimmt der Stadtrat in unserer repräsentativen Demokratie die Verantwortung, im Namen und im Sinne der Bürger abzuwägen.

Und was im Sinne der Bürger ist, das hat vor einigen Wochen in knappen aber treffenden Worten der Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung ausgedrückt: "Wie wäre es mit einem Bürgerentscheid? Nein, bitte nicht. Damit würde der Rat es sich zu leicht machen, denn ein Bürgerentscheid wäre das sichere Aus für die Buga - ohne Chancen, Risiken und Nebenwirkungen abzuwägen." (WZ 05. Aug. 2021 S.18)

Dann müsste der Stadtrat aber ganz gewichtige und massive Gründe finden, sich so gegen den klaren Bürgerwillen zu entscheiden. Eine "Attraktivitätssteigerung der Stadt" kann das nicht sein, wenn die Besucher in ihren Bussen durch ein völlig verstopftes Vohwinkel und Sonnborn schleichen müssen und sich ärgern über die verpassten Besuchszeiten. Oder wenn 25 000 Besucher sich mittags zwischen den BuGa-Arealen in Vohwinkel und Sonnborn über große Höhenunterschiede und mit Hilfe der Schwebebahn durchkämpfen müssen - und abends wieder zurück. Verärgerung über lange Wartezeiten dürfte da die normale Reaktion sein. Zur Attraktivitätssteigerung Wuppertals würde weder für Besucher noch für Einheimische auch ein neuer Vohwinkler Park weit abseits im "Tescher Loch" nicht beitragen. Und die Hängeseilbrücke mit Weltrekord? Gehörte sie nicht eher ins Phantasialand als über eine verkehrsmäßig sehr verletzliche Engstelle im Tal der Wupper?

Nein, Wuppertal hat nicht die notwendige Verkehrsinfrastruktur, um eine solche BuGa-Großveranstaltung zur Zufriedenheit aller ausrichten zu können. Vohwinkel braucht kein halbjähriges Verkehrschaos. Zudem benötigt Wuppertal als eine der beiden ärmsten Großstädte in Deutschland die 70 Mio. € Eigenbeitrag dringend für die Verbesserung der Lebensbedingungen des ärmeren Teils seiner Bevölkerung, für Schulen, für Kindergärten, für die Tafel, für Sportvereine, für Seniorenbetreuung, für die freie Kulturszene, für Behindertenhilfe etc.. Eine reine Spaßbrücke ohne Verkehrsbedeutung zählt dazu nicht.

Sind 70 Mio. € gerechtfertigt für eine BuGa, die wegen der schlechten Wuppertaler Infrastruktur eher für eine "Wuppertal? Nie wieder!" - Reaktion sorgt als für Attraktivitätssteigerung? Wollen die Bürger dafür wirklich dieses Geld ausgeben, selbst wenn der Kämmerer es könnte?

 

veröffentlicht in wtotal am 06.Okt. 2021

 

Manfred Alberti

www.manfredalberti.de manfredalberti@hotmail.com

 

 

 

 

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