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Prominenteninitiative und Bürgerinitiative

Eine Bürgerinitiative gegen die Bundesgartenschau 2031 fehlt noch, eine Prominenteninitiative für die Buga gibt es schon. Anfang Juli trafen sich 20 Wuppertaler Prominente, wie der UNI-Rektor Koch oder Alt-Oberbürgermeister Jung, um für die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2031 in Wuppertal zu werben. 100 Jahre lang solle Wuppertal von der Buga profitieren können, wenn ein neuer Park in Vohwinkel gebaut würde. Noch heute würde die Bevölkerung es genießen, in den vor 100 Jahren weitsichtig angelegten Parkanlagen unserer Vorfahren spazieren zu gehen.

Die reichen Fabrikanten vor 150 bis 200 Jahren haben wirklich den armen Fabrikarbeitern und der gesamten Bürgerschaft riesige Geschenke gemacht, indem sie aus ihrem Besitz große Parks zur Erholung der oft durch ihre schlimmen Wohn- und Arbeitsverhältnisse kranken Bevölkerung zur Verfügung stellten. Das Leben im Tal der Wupper war damals im Besonderen dadurch geprägt, dass die reiche Oberschicht Verantwortung übernahm für die Ärmeren. Durch Kindergärten, Krankenpflege und Armenpflege wurden deutschlandweit modellhaft Systeme aufgebaut, die das Leben der ärmeren Menschen erleichterten. Ihren Reichtum sahen die Fabrikanten damals auch als ihre besondere Verpflichtung an.

Das ist lange her. Die Prominenten heute haben anderes im Sinne. Sie möchten, dass sich der Wuppertaler Stadtrat im September verpflichtet, zehn Jahre lang jährlich 7 Mio. € für ein schönes Fest, die Bundesgartenschau 2031, zurückzulegen. Dieses Geld soll aus dem Topf frei verfügbarer Gelder stammen, mit denen die Stadt kulturelle und soziale Aufgaben unterstützen kann. Gelder für Kindergärten und Schulen, Gelder für Jugend- und Kinderarbeit, Gelder für die freie Kulturszene, für Theater, Musikschulen und den Zoo, Gelder für die Unterstützung von Sportvereinen, Gelder für Schulmittagessen, Ganztagsbetreuung und Schulsozialarbeit.

Das sind Gelder für Aufgaben, die die Stadt übernehmen kann, aber wozu sie nicht gesetzlich gezwungen ist. Profitieren von diesem Topf würden meistens nicht die reicheren Wuppertaler, die das nicht brauchen, sondern breite ärmere Bevölkerungs-schichten. Ein Drittel der Wuppertaler Kinder lebt in Hartz-IV Familien.

Aus diesem Topf sollen für die nächsten zehn Jahre jährlich sieben Mio. € herausgenommen werden, um die Kosten für die Bundesgartenschau zu stemmen.

Vor 150 Jahren haben die reichen Fabrikanten sich mit ihrem Vermögen bemüht, das Leben der ärmeren Leute zu erleichtern. Heute sollen aus den für soziale und kulturelle Aufgaben vorgesehenen Geldern Teile für ein Fest abgezweigt werden, das sich die ärmeren Menschen bei 25 € Eintrittsgeld nicht werden leisten können.

Das ist eine verkehrte Welt im armen Wuppertal. Hängeseilbrücke statt kostenlosem Schulmittagessen. Ein teures Blumenfest statt Sozialarbeiter. Wenn wenigstens die Bundesgartenschau für irgendein großes Strukturproblem in Wuppertal Lösungen anbieten würde, dann könnte man abwägen. Aber eine geleaste Seilbahn zum obersten Punkt des Zoos käme zu den bisher geplanten Bundesgartenschaukosten noch hinzu.

Wuppertal braucht eine Initiative für das Wohl der Bürger statt einer Prominenteninitiative.

 

Manfred Alberti     manfredalberti@hotmail.com - www.manfredalberti.de

 

(veröffentlicht in WTOTAL am 22.07.2021)

 

 

 

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