Schreiben an die Spitze der Evangelischen Kirche von Deutschland und an die Leitung der Diakonie vom 01.Juli 2026
Sehr geehrte Frau Bischöfin Kirsten Fehrs, sehr geehrter Herr Dr. Merle, sehr geehrter Herr Diakonie - Präsident Schuch!
Vielen Dank für Ihr Antwortschreiben vom 30. Juni 2026 und den Hinweis auf den aktuellen "Zwischenruf".
So wichtig die zentralen Aussagen des "Zwischenrufes" zur Bedeutung sozialer Arbeit und Dienste sind, so auffällig und bedauernswert ist jedoch das nahezu völlige Fehlen von Hinweisen auf die
wirklichen Hintergründe der aktuellen Diskussionen um Bedeutung und Erhalt des Sozialstaates: Sich "ehrlichmachen" ist auch für die Kirchenleitung angesagt!
Die aktuelle Diskussion um den Sozialstaat dürfte nur zum kleinen Teil in "hohen Kostensteigerungen insbesondere aufgrund demographischer Entwicklungen" (Zwischenruf S. 6) ihre Ursache
haben. Die Probleme wurzeln dagegen primär in der Verschiebung staatlicher Hauptaufgaben von den sozialen Aufgaben eines Sozialstaates zur Hochrüstung für militärische Stärke. Mehr als
eine Billionen Euro muss hauptsächlich im Sozialen eingespart werden zugunsten des Militärs.
Die politische Einschätzung drohender Kriegsgefahr durch einen Angriff Russlands auf den Westen wird von der evangelischen Kirche leider undiskutiert übernommen und als unhinterfragbar akzeptiert
für kirchliches Handeln und Reden. Die besondere Rolle der Westorientierung der Ukraine und der Osterweiterung von NATO und EU mit den von Russland seit mindestens einem Jahrzehnt gefühlten
Bedrohungen wird schlicht ignoriert.
So oberflächlich und realitätsfremd darf kirchliches Denken und Handeln 2026 nicht sein.
Die evangelische Kirche macht sich so mitschuldig an der jahrelangen Fortdauer des Ukraine-Krieges und an der Unterminierung von Friedensbemühungen zur Beendigung des Krieges. Christliches und
kirchliches Denken und Handeln dürfen sich nicht undiskutiert einer Militarisierung der Gesellschaft vor allem zum Nutzen und Ausbau der Rüstungsindustrie unterordnen und die Verlagerung der Kosten
auf die Kürzungen in allen sozialen Bereichen wie Gesundheit, Renten, Arbeitslosigkeit, Sozialhilfen etc. als naturnotwendig hinnehmen, um diese Kürzungen dadurch sogar kirchlich zu legitimieren und
zu unterstützen.
Das ist in meinen Augen leider das Gegenteil christlicher und kirchlicher Sozialverantwortung.
Viele Grüße Manfred Alberti
(Schreiben vom 01.Juli 2026)