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BUGA31: Wir feiern und unsere Kinder bezahlen

BUGA31: Wir feiern und unsere Kinder bezahlen

Da hat der politische Egoismus wieder hart zugeschlagen: Bisher sollten die Kosten für die BUGA in Höhe von etwa 70 Mio. € (ziemlich) komplett bis zur BUGA 2031 angespart werden. Das aber ist Vergangenheit: Schon vor mehr als einem Jahr, im Juli 2025, hat der Finanzausschuss des Stadtrates beschlossen, dass mehr als die Hälfte der von Wuppertal zu tragenden Kosten erst nach der BUGA in den Jahren 2032 bis 2041 die städtischen Finanzen belasten. Sehr eigennütziges Motto: "Lasst uns mit dem Bundespräsidenten feiern, unsere Kinder müssen das dann bezahlen." Dabei sind die Kosten hochgeschossen auf fast 120 Mio. €, wenn man nur die Kern-BUGA betrachtet, und auf mehr als 150 Mio. € für die BUGA mit BUGA Plus, also z.B. dem Radwegering. Und das dürfte bis zur Abrechnung 2031 nicht das Ende für die arme Stadt Wuppertal mit sehr vielen Bürger in Sozialleistungsbezug sein. 
 
Sollten Sie sich jetzt fragen, warum weiß ich das nicht? Das habe ich mich auch gefragt: Geheimniskrämerei ist nie gut. Der Finanzausschuss hat am 01. Juli 2025 in einem Papier für die Haushaltsverhandlungen mit dem Regierungspräsidium (zu finden unter VO/0638/25 - letzte Seiten) beschlossen, dass die von Wuppertal zu tragenden Kosten nicht bis zur BUGA2031 aufgebracht werden müssen, sondern auf die 19 Jahre 2023 bis 2041 umgelegt werden. Dabei sollen in den Jahren nach der BUGA mehr Gelder bezahlt werden als vor der BUGA. Und deshalb müssen die nachfolgenden Generationen bei ihren Wünschen und Bedürfnissen an die Stadt mindestens zehn Jahre lang zurückstecken, um diese Schulden zu tragen. Jährlich werden das ca. 10 Prozent des für den Stadtrat frei verfügbaren Anteils des Etats sein. Sehr traurig ist, dass man diese Entscheidung nicht deutlich veröffentlicht hat, sondern offensichtlich so geheim wie möglich halten wollte.
Warum? Vielleicht ist es die Angst, dass die Bürger lautstark ein Ende der BUGA fordern könnten. Immerhin haben bei der Bürgerentscheidung 2022 mehr als 81 Prozent der Abstimmungsberechtigten nicht für die BUGA gestimmt. Trotzdem wollte und will man die BUGA unbedingt durchsetzen.
 
Ist das eigentlich fair gegenüber den Jüngeren? Sie werden außer einem vergrößerten Sportpark in Vohwinkel und einem kleinen Park im Tescher Loch nichts von der BUGA genießen können, denn Hängeseilbrücke und Seilbahn werden wie in fast allen anderen BUGA-Städten nach der BUGA sehr wahrscheinlich abgebaut werden: Ihre Unterhaltung trägt sich nicht durch die wenigen Besucher, die im stürmischen Herbst oder kalten Winter über die Kaiserhöhe zur Brücke wandern werden. Und der Zoo könnte seine Besucher mit einer zooeigenen flexiblen Bimmelbahn rund um den Zoo bequem bis zum Löwengelände transportieren. Der Personalaufwand für Betreuung und Sicherung von Brücke und zwei Seilbahnen Tag und Nacht kann nicht durch Einnahmen erwirtschaftet werden. Also wie deutschlandweit fast überall nach der BUGA: Abbau der Highlights!
 
Aber können sich das die Verwaltung und die Politik nicht selbst an fünf Fingern abzählen? Eigentlich schon, aber man möchte die Hoffnung auf eine attraktive BUGA so lange wie möglich aufrecht erhalten. "Herr Alberti, arbeiten Sie doch konstruktiv mit. Die Experten werden schon Lösungen für alle Probleme finden!" So hat mir das der BUGA-Verantwortliche der CDU in zwei Gesprächen nahegelegt.
 
Ich kann diese völligen Illusionen nicht teilen:
  • Wartet nicht Vohwinkel seit mehr als 50 Jahren auf Lösungen für die Vohwinkler Verkehrsprobleme? Und diese Lösungen sollen zeitgleich mit dem Neubau des Sonnborner Autobahnkreuzes und tausenden BUGA-Besuchern möglich sein? Nie und nimmer: Das zeitraubende Verkehrschaos würden die Besucher der BUGA mit Autos und Reisebussen sehr ärgerlich im Gedächtnis behalten.
  • Wird das kleine Areal im Tescher Loch mit der Zeit größer oder rücken die fünf Wuppertaler Areale näher aneinander? Natürlich nicht und der Vergleich mit der Neusser Landesgartenschau 2026 mit einem einzigen und dazu noch größeren Gesamtareal wurde zur Zeit der Haushaltsgespräche mit dem Regierungspräsidium breit diskutiert: Die Großstadt Wuppertal kann sich mit ihrem Angebot vor den Besuchern nur lächerlich machen und für lange Zeit blamieren. 
  • Und wer von den Besuchern sich auf einen ruhigen und interessanten Tag auf der BUGA gefreut hat, wird nicht glücklich darüber sein, dass er in Wuppertal auf sehr unbequemen und unschönen Stadtwegen lange von Areal zu Areal gehen und fahren muss und abends wieder zurück. Ein Tag der Hektik und des Stresses erwartet ihn im Bergischen Land: Die Elberfelder Innenstadt mit der Gastronomie ist weit entfernt.
Wer sich einmal in die Erlebnisse eines BUGA- Besuchers hineinversetzt, wird alle Illusionen fahren lassen, dass die Besucher Wuppertal interessant finden könnten, gerne weitere Besuche planen und bei Bekannten für Wuppertal werben. Diese Hauptziele der BUGA sind mit Sicherheit nicht zu erreichen.
 
Solche trügerischen Illusionen kosten aber Wuppertal viele Millionen, bis irgendwann wie in Rostock die Erkenntnis reift, dass eine für die Besucher attraktive BUGA in Wuppertal nicht möglich ist. Je früher diese Einsicht kommt, desto mehr Geld könnte gespart werden, um die für Wuppertal wichtigen Ziele, wie den Radrundweg, auf eigene Faust und ohne BUGA umsetzen zu können.
 
Der frühere OB Schneidewind hat jegliche Diskussionen über die BUGA rigoros abgelehnt. Zu Recht ist er damit krachend gescheitert. OB Miriam Scherff steht nun vor der Aufgabe, die nicht geführten Diskussionen möglichst schnell ergebnisoffen zu initiieren. Die verschwiegene Explosion der von Wuppertal zu tragenden Kosten, die vor allem von den kommenden Generationen bis 2041 oder noch länger getragen werden müssen, war für eine Oberbürgermeisterin mit ausdrücklichem persönlichem Schwerpunkt auf Bürgernähe kein guter Anfang ihrer OB-Zeit. Hoffentlich zieht sie daraus bald Konsequenzen und lädt die Bürger zu intensiven Diskussionen ein. Sie versprach Bürgernähe, auch wenn wohl die anderen Spitzen von Verwaltung und Politik eher Angst vor den Bürgern zu haben scheinen.
 
 
(Schreiben an OB Scherff 01.09.2026)

 

 

 

 

 

 

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