Schreiben vom 11. August 2026
Betr.: Finanzierungsplanung der BUGA VO/0638/25
An die Oberbürgermeisterin der Stadt Wuppertal Miriam Scherff
Cc: An die Parteiführungen im Rat der Stadt Wuppertal
Cc: An die Mitglieder des Rates der Stadt Wuppertal
Cc: An die Jugendorganisationen der Parteien
Cc: An die Wuppertaler Presse (später)
Sehr geehrte Frau OB Miriam Scherff,
Sehr geehrte Damen und Herren!
BUGA 2031: Die Älteren feiern, die Jüngeren bezahlen
In den Machbarkeitsstudien zur BUGA war bislang geplant, dass in den Jahren vor der BUGA die absehbar von Wuppertal zu tragenden Kosten in Höhe von
insgesamt 70 Mio. € in jährlichen Raten von ca. sieben Mio. € bis 2031 angespart werden, so dass auf zukünftige Generationen keine Belastungen, keine Schulden übertragen werden.
Der Ausschuss für Finanzen und Beteiligungen vom 01.Juli 2025 (VO/0638/25) rechnet mit wesentlich höheren Kosten für Wuppertal in Höhe von mindestens 120 Mio. € nur für den engeren
BUGA-Bereich und verteilt diese Lasten auf die Jahre von 2023 bis 2041. Das sind 19 Jahre lang durchschnittlich 6,2 Mio.€ pro Jahr. Zusammen mit den BUGA-plus-Projekten ergäben sich Kosten für
Wuppertal in einer Höhe von ca.154 Mio. €.
Laut dieser Vorlage (5.2.3. und 5.2.4.) müssen die Wuppertaler Bürger nach dem Fest der BUGA ab 2032 bis 2041 den noch nicht finanzierten Großteil der BUGA-Kosten in Höhe von derzeit
absehbar mindestens 71 Mio. € (bzw. 100,2 Mio. €) bezahlen, obwohl sie außer dem Mini-Park in Areal 1 und dem vergrößerten Sportpark auf der Wassack-Deponie nichts an strukturellen Verbesserungen
durch die BUGA bekommen haben. Für den Stadtrat wären damit bis 2041 zehn bzw. 14 Prozent der nicht gesetzlich verfügten freien Haushaltsmittel (ca. 70 Mio. pro Jahr) schon
festgelegt.
Ich bin entsetzt über dieses Vorgehen:
Wie kann man es gegenüber den jüngeren Wuppertalern verantworten, Ihnen solche immensen Kosten für die BUGA aufzudrücken, obwohl sie fast keinerlei Vorteile durch die BUGA haben? Wie
unfair ist das gegenüber den jüngeren Menschen, die Kosten für ein Fest tragen zu müssen, das sich 2031 vor allem an Ältere und Gartenliebhaber als Zielgruppen gerichtet hat?
Die Aussichten, dass Hängeseilbrücke, Seilbahnen und riesiges Parkhaus nach der BUGA sich durch Eintrittsgelder tragen, dürften minimal sein: Wer macht im stürmischen Herbst oder kalten Winter
lange Spaziergänge, um einen Blick von der Brücke zu werfen? Eine BUGA lebt vor allem von einem älteren (Ausflugs-)Publikum im Sommerhalbjahr. Busausflüge finden im Winter nicht statt. Andere
Generationen müssen tagsüber arbeiten oder gehen zur Schule: sie kommen zur Brücke höchstens am Wochenende. Es ist abzusehen, dass Seilbahn und Brücke mit Personal sich in der Woche nicht rentieren
und somit die Brücke bald wochentags nicht erreichbar ist. Seilbahnen, Brücke und Aufzüge im Parkhaus werden deshalb als erhebliche Kostenfaktoren mit viel Personal wie in anderen BUGA-Städten sehr
bald nach der BUGA abgebaut werden.
Eine kleine Personeneisenbahn rund um den Zoo würde ausreichen, Besucher und Kinderwagen bis auf den höchsten Punkt am Löwengehege zu bringen. Ein
Skywalk wie im Nordpark würde Interessenten von der Königshöhe und der Kaiserhöhe aus einen fast genauso guten Blick über den Wuppertaler Westen und BAYER ermöglichen
wie die Brücke.
Auch wenn der Haushalt von der Bezirksregierung mit der BUGA genehmigt worden ist, sollte Wuppertal noch einmal intensiv darüber nachdenken, ob die Ausgaben für die BUGA gerade auch in Hinsicht
auf die Belastung späterer Generationen gerechtfertigt sind. Der Vergleich mit der Landesgartenschau in Neuss, die nicht so erfolgreich zu sein scheint wie erwartet, lässt die wesentlich
schwierigeren Rahmenbedingungen in Wuppertal noch einmal viele düsterer erscheinen.
Sehr geehrte Frau OB Scherff,
Sie gehören einer jüngeren Generation an als die normalen BUGA-Besucher. Bitte vertreten Sie die Interessen Ihrer und der nachfolgenden Generationen, damit nicht politisch mächtige ältere
Menschen riesige Investitionen in ein Projekt stecken können, das aufgrund vieler Probleme nie erfolgreich werden kann.
Als älterer Wuppertaler schäme ich mich dafür, dass ein Fest der Älteren nach dem Fest auf Kosten der Jüngeren abgerechnet werden soll und die Jüngeren noch zehn Jahre lang nach der BUGA bis 2041
auf erhebliche Mittel zur Verbesserung des Lebens in Wuppertal verzichten müssen. Wuppertal bräuchte diese Mittel dringend für Kultur, Sport, Soziales, Schulen und anderes mehr. Die jüngeren
Generationen werden schon durch die bundesweiten Kürzungen vor allem im sozialen Bereich zugunsten der Rüstung stark geschädigt.
In der Hoffnung, dass Sie und die Mitglieder der Stadtverwaltung und der Stadtspitze auch angesichts der vielen unlösbaren Probleme der BUGA (z.B. Verkehr oder Auslastung von Brücke und Seilbahn
nach der BUGA) und Nachteile (Belastungen für Vohwinkler) offen über Alternativen nachdenken und eine baldige Absage der BUGA durch den Stadtrat diskutieren, grüße ich Sie herzlich
Manfred Alberti
P.s.1: Alternativvorschlag
Ein Vorschlag für eine Investition in das Stadtimage als Alternative zur BUGA, der eine strukturelle Verbesserung für fast alle
Einwohner der ganzen Stadt Wuppertal und nicht nur Vohwinkels bringen kann:
An der Königshöhe, an der Kaiserhöhe, am Mollenkotten, am Ehrenberg und an anderen Aussichtsstellen an den Rändern des Tals der Wupper und an anderen interessanten Stellen (Burgholz,
Steinbruchareale) werden wie im Barmer Nordpark ca. 15 bis 20 SKYWALKS errichtet. Sitzplätze, Sandkästen, Bouleplätze etc. machen diese SKYWALKS zu
Treffpunkten und Erholungsorten für die Menschen der Umgebung.
Wuppertal ist in Deutschland die Stadt mit den meisten unterschiedlichsten Stadtansichten am Rande eines langen Tales.
In Stuttgart schaut man immer auf den gleichen Talkessel; nahezu alle anderen Großstädte sind flach ohne Aussichtspunkte. Tafeln könnten wichtige Punkte erläutern, die man jeweils sehen kann:
Stadtgeschichte, Industriegeschichte, Verkehrsgeschichte, Sozialgeschichte, weltweit bekannte Erfindungen aus Wuppertal etc: Diese Skywalks können den eigenen Einwohnern unsere Stadt näherbringen und
können zum Stolz auf diese Stadt und ihre Geschichte anregen. Freunde, Verwandte, Besucher von außerhalb sehen so Wuppertal mit ganz anderen Augen.
Eine solche Investition kann das Image Wuppertals über Jahrzehnte hinweg viel mehr verbessern als eine einmalige Investition in eine Bundesgartenschau mit vielen Problemen und mit vielen
Nachteilen für die Besucher und Einwohner.
p.s.2: Eine heutige Absage der BUGA 2031 dürfte der überregionalen Presse kaum eine Meldung wert sein. Je später die Absage kommt, desto belastender für das Image Wuppertals würde sie sich
auswirken.