Sieben Gründe zerstören BUGA31
Wuppertal
21.10.2026
Der BUGA Förderverein kritisiert die Petition Königshöhe. Auch wenn ich nicht zur Bürgerinitiative Königshöhe gehöre, irritiert diese Kritik des Fördervereins doch sehr. Sie
nimmt leider viele problematische Entwicklungen der BUGA-Planungen und alte wie neu aufgetauchte kritische Aspekte zur BUGA einfach nicht zur Kenntnis.
Sieben Aspekte, die jeweils einzeln ausreichen würden, die BUGA-Planungen sofort zu beenden, möchte ich beispielhaft nennen:
1.) Finanzierung verschoben auf später
Seit dem Finanzausschussbeschluss am 01.Juli 2025 (!) (VO/0638/25) liegen die von Wuppertal zu stemmenden Eigenanteile für die BUGA nicht mehr bei 73 Mio.€
sondern bei ca. 120 Mio. € und mit BUGA PLUS (z.B. Radwegering) bei ca. 150 Mio. €. Diese Zahlen liegen dem Regierungspräsidium als Etatbestandteile bis 2041 (!)
vor. Mehr als die Hälfte dieser Beträge bleiben nach der BUGA als Schulden und müssen langwierig von folgenden Generationen abgetragen werden. Das Fest der Älteren sollen die
Jüngeren bezahlen müssen.
2.) Stimmung bei den Bürgern
Den Bürgerentscheid 2022 haben die BUGA-Befürworter zwar sehr knapp gewonnen (18,3 % gegen 17,9 % der Abstimmungsberechtigten), aber dieser juristische Sieg bedeutet auch, dass
81,7 Prozent der Wuppertaler nicht für die BUGA gestimmt haben, sondern durch ihre Gegenstimme oder durch ihr Desinteresse an der BUGA ihre Kritik ausgedrückt haben. Das ist
eigentlich eine verheerende politische Niederlage der BUGA-Planungen.
Dass trotz dieses problematischen Ergebnisses seither ohne jegliche öffentliche Diskussion das BUGA-Projekt so durchgezogen wird, hätte in der Wirtschaft und Industrie zur sicheren Absetzung der
dafür Verantwortlichen geführt. Ohne öffentliche Diskussionen und ohne das Ernstnehmen jeglicher Kritik kann kein kommunales Projekt gelingen.
3.) Deprimierender Vergleich mit anderen BUGAs
Gerade der Vergleich mit den vom Förderverein als Vorbild genannten BUGAs in den Städten Erfurt, Heilbronn und Mannheim zeigt die Schwächen Wuppertals überdeutlich: In
Wuppertal fehlt jegliche für die Besucher angenehme Messeverkehrsinfrastruktur wie in Erfurt mit vielen dem Eingang nahen Parkplätzen und Busparkplätzen und mit
einer aufnahmefähigen Straßenbahnverbindung zwischen Hbf, Stadtzentrum und BUGA-Areal. Heilbronn durch den zugeschütteten Hafen und Mannheim durch das rekultivierte
Militärgelände haben durch die BUGA viele Hektar neuer grüner Stadtfläche für Investitionen bekommen: Wuppertal aber bekommt nicht einen einzigen Quadratmeter für Neuinvestitionen.
Die erfolgreiche Landesgartenschau Neuss 2026 hatte ein Viertel mehr Fläche als Wuppertal und alles war überschaubar zusammen in dem Areal der früheren
Pferderennbahn. Wuppertals BUGA wäre zerteilt auf fünf Flächen.
4.) Fataler Lesefehler: Versechsfachung der Eigenbeiträge durch fremde Investitionen etc. ist falsch
Die oft versprochene Versechsfachung der städtischerseits eingesetzten Mittel durch Rückflüsse, Investitionen etc. ist völlig unrealistisch: Das wären 438 Mio.
€ (bzw. 900 Mio. €) Investitionen und Einnahmen von Besuchern in Wuppertal. Diese versprochene Versechsfachung entspringt einem Lesefehler (!): Die Studie der Bergischen UNI zur
Wirtschaftlichkeit der BUGA weist nur darauf hin, dass es bei der BUGA 2011 im Welterbe Mittelrheintal in Koblenz einen Mittelrückfluss vom sechsfachen der eingesetzten Mittel gegeben habe.
Daraus Schlüsse für einen Erfolg in Wuppertal zu ziehen, ist illusionär und völlig unrealistisch.
Die immer wieder versprochene Versechsfachung der Eigenbeiträge ist eine Täuschung der Bürger und der Verantwortlichen in Rat und Verwaltung, da sie einen (fast) garantierten
BUGA-Erfolg suggeriert.
5.) Abbau Seilbahn und Pseudo-Hängeseilbrücke direkt nach der BUGA statt zukünftiger Highlights
Talstation der Seilbahn im Parkhaus mit Aufzügen, Seilbahn zur Höhe und Hängeseilbrücke gehören untrennbar zusammen, einzeln funktionieren sie nicht. Mit ziemlicher Sicherheit müssen Seilbahn
und Hängeseilbrücke nach der BUGA wie fast alle Highlights vergangener BUGAs wieder abgebaut werden, da sie sich mit viel notwendigem Personal ohne BUGA-Besucher in Herbst und Winter nicht tragen
können: Wer fährt mit teuren Seilbahnkarten im stürmischen Herbst oder eiskalten Winter auf die Königshöhe und wandert zur zugigen eintrittspflichtigen Brücke? Wer von den an einer solchen
Brücke interessierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Arbeitsleben könnte überhaupt in der Woche nach Wuppertal kommen? Senioren sind eher weniger an einer solchen Brücke interessiert.
Urlauber wie im Harz, Hunsrück oder Sauerland hat Wuppertal nicht.
Davon abgesehen: Diese Brücke wird für viele Besucher eine Enttäuschung sein, da sie in der Konstruktion einer normalen Rheinbrücke mit Pylonen entspricht. Die touristisch
attraktiven Hängeseilbrücken in Deutschland (Willingen, Harz, Hunsrück, Reutte in Tirol etc.) sind "Hängeseilbrücken im tibetischen Stil", wobei diese Brücken ohne Pylone etc. nur an den beiden
Seiten eines Tals befestigt sind und durchhängen.
6.) Besucherverärgerungen
Die bisherigen Besucherprognosen aufgrund von Erfahrungen aus früheren BUGAs haben die strukturell widrigen Umstände der Wuppertaler BUGA nicht eingerechnet, die vielen Besuchern den
BUGA-Besuch verleiden werden und zu einem schlechten Urteil über Wuppertals BUGA führen, das sich schnell herumspricht. Erfolgreiche Werbung wird so nicht möglich sein.
Durch die weiträumige Trennung der verschiedenen Areale müssen die Besucher aufwändige Wege während ihres BUGA-Besuchs auf sich nehmen. Drei lange Fußwege und
Fahrten mit der Schwebebahn oder Bussen und der Seilbahn benötigen bis zur Brücke schon ohne Wartezeiten vor Schwebebahn, Aufzügen und Seilbahn mindestens eine Stunde, und abends wieder eine
Stunde zurück. Schnell summieren sich so die Transferzeiten des Tages auf drei Stunden oder mehr. Zusammen mit den Staus bei der Hinfahrt und den langen Wegen vom
Bahnhof zum BUGA-Eingang ist die Verärgerung der Besucher verständlich, dass mehr als die Hälfte ihrer Wuppertaler BUGA-Besuchszeit in Staus, langen Fußwegen und Wartezeiten
verlorengeht. Der Neubau des Sonnborner Autobahnkreuzes mitten zwischen den Arealen wird zusätzliche Belastungen mit sich bringen.
7.) Enttäuschung der Besucher statt Lob für Wuppertal
Ergebnis der BUGA: Das Wuppertaler Hauptziel der BUGA, Besuchern einen guten Eindruck von Wuppertal zu vermitteln, damit sie Wuppertal als interessante Stadt loben,
gerne wiederkommen und Freunde und Verwandte zum Wuppertal -Besuch animieren, kann durch diese BUGA nicht erreicht werden.
Im Gegenteil: Diese BUGA wird für Wuppertal zum Desaster werden: Massive spontane Beschwerden vieler Besucher im social-media-Bereich und bei Berichten über ihren Besuch sind ebenso zu
erwarten wie vernichtende Kritiken in der seriösen Publizistik. Statt erfolgreicher Werbung für Wuppertal sorgt diese BUGA für ein lange anhaltendes schlechtes Image Wuppertals.
Diese oben genannten Probleme sind als strukturelle Probleme nicht mehr lösbar und verhindern eine erfolgreiche Bundesgartenschau31 in Wuppertal.
Die Deutsche BUGA-GesellschaftmbH ist durch die mit der Stadt geschlossenen Verträge so gut abgesichert, dass ab 2032 alle Schulden (dann noch vermutlich mindestens 70 bis 90 Mio. €) alleine von den
Wuppertaler Bürgern abgetragen werden müssen.
Der Stadtrat wäre deshalb gut beraten, alle BUGA-Vorbereitungen so schnell wie möglich zu beenden: Je früher, desto weniger Mittel werden bereits verbraucht sein.
Fatal wäre es, wenn sich heute die BUGA-Lobbyisten mit einer Fortsetzung der Planungen durchsetzen könnten, andere Projekte gekürzt oder storniert würden und in einigen Monaten oder Jahren
man doch die BUGA wie in Rostock 2023 absagen müsste und andere Projekte dann leiden.
Manfred Alberti
P.s.: Dieser Artikel ist auch abgedruckt auf der website: www.manfredalberti.de Kap 0.0.0.2. Sieben Gründe zerstören BUGA
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